diesen von Frey übersetzten Briefen, „Wenn man hinzunimmt,was an Anekdoten aus Vasari , Condivi eingefügt wird,macht der fremde Text fast ein Viertel aus." Ludwig „färbt denschweren, oft dunklen Michelangelo -Stil, den Frey zu treffensuchte, um in einen gewandten Ludwig-Stil, ohne etwa auf dieitalienischen Originale zurückzugreifen . . . Wo aber Einschal-tungen in dunkle Briefstellen Freys den Sinn zu fassen suchen,da übernimmt auch Ludwig dieses geistige Eigentum einesanderen, der nie im ganzen Buche erwähnt wird." „Habe dieFreyheit", sagt Emil Ludwig und stilisiert weiter die fremdeArbeit." Brinckmann kommt zu dem Ergebnis, daß die ArbeitFreys durch Ludwig ausgiebig verwendet ist, aber in einer Art,die nach jeder Richtung peinlich, ja beschämend wirkt. FreysAusgabe ist das Ergebnis eines 25jährigen Spezialstudiums. DieFrüchte seiner Arbeit aber erntete Ludwig-Cohn .
Um dem Leser selbst ein Urteil über die Arbeit Ludwigszu ermöglichen, seien einige von Brinckmann gebrachten Gegen-überstellungen mit seinen bezeichnenden Anmerkungen hierwiedergegeben:
Frey: (Brief an Vittoria Colonna ). . Und da ich weiß, Ihr kennt denSpruch: „Liebe bedarf des Meistersnicht!" und den andern: „der Lie-bende schläft nicht", so hätte esnoch weniger der Mittelsleute be-durft. Und hatte es gleich den An-schein, als erinnerte ich mich nicht(eingeschaltet von Frey: meiner Zu-sage), so tat ich es doch, ohne davonzu reden, um mit einer unerwartetenGabe zu kommen. Diese meine Ab-sicht ist nun vereitelt worden. „Übeltut, wer so große Treue . . (ein-geschaltet: so bald vergißt)."
Ludwig . . Da ich weiß, Ihr kenntden Spruch: „Liebe bedarf desMeisters nicht" und auch denandern: „Der Liebende schläftnicht", so hätte es um so wenigerder Mittelsperson bedurft. Auchwenn es schien, ich hätte meine Zu-sage vergessen, so tat ich's doch nur,um dann mit einer überraschendenGabe zu kommen. Diese meine Ab-sicht ist nun vereitelt worden. „Übeltut, wer so große Treue so bald ver-gißt."
Man wird zugeben, daß die Freyschen Einschaltungen kaumnötig waren, auch leicht anders gedacht werden können, dochbleibt hier Ludwig anhänglich an den Ungenannten. Oder:
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