legte Falle, und Hedrich hatte nun die langersehnte Gelegen-heit, seinem Wohltäter (das war Meißner), über 30 Jahre langnach Kräften zur Ader lassen zu können. Dieser, der um seinenliterarischen Ruhm bangte, vermied es, sich irgendeinem seinerFreunde anzuvertrauen, sondern erfüllte alle pekuniärenWünsche des ihn auf die grausamste Weise Erpressenden. Alser nicht mehr aus noch ein wußte, legte er Hand an sich.
Tatsächlich bestand zwischen Meißner und Hedrich nichtsweiter als ein Mitarbeiterverhältnis. Beide, finanziell sehrschlecht gestellt, mußten daran denken, durch eigene an-gestrengte Tätigkeit sich ihr Brot zu verdienen, und, da dieHonorare nicht sehr reichlich flössen, mußte auch die Pro-duktion dementsprechend sehr intensiv sein. Meißner, der anHedrich einen Narren gefressen hatte, ging auf dessen Vor-schlag, gemeinsam zu arbeiten ein, lieferte ihm vielfach dieStoffe, schrieb einzelne Kapitel, skizzierte auch wohl das Ganzeund ließ Hedrich die entstandenen Lücken ausfüllen. AlsÄquivalent dafür erhielt dieser die Hälfte des Honorars undstand sich sehr gut dabei. Erst als er durch seine verschwende-rische Lebensführung und unausrottbare Spielleidenschaft vis-a-vis de rien stand, sah er den Augenblick gekommen, um denvertrauensseligen Meißner wie eine Zitrone auszupressen. Hättedieser nur den Mut besessen, das beiderseitige Verhältnis recht-zeitig offenkundig darzulegen, so wäre sein Name unbeflecktder Nachwelt überliefert worden. Allein seine Scheu vor einemöffentlichen Skandal hielt ihn davon ab 01 ).
81 ) Uber den Fall Meißner-Hedrich informieren folgende Schriften:Franz Hedrich. Alfred Meißner—Franz Hedrich. Replik. Leipzig o. J.(1889), 55. S. — Rittmeister Bayer (= Robert Byr ). Die Antwort AlfredMeißners. München 1889, 66 S. — „Für" und „Wider" Alfred Meißner .Klarstellung des literarischen Verhältnisses zwischen Alfred Meißner undFranz Hedrich auf Grund des Briefwechsels zwischen den beiden . . . undunter Zugrundelegung der Broschüre: „Alfred Meißner—Franz Hedrich" vonFranz Hedrich . . . und „Die Antwort Alfred Meißners" von Robert Byr .Von P. W. H e i n r i c h. Berlin, Sauernheimer 1890, 294 S. — Rudolf Fürst .August Gottlieb Meißner. Eine Darstellung seines Lebens und seinerSchriften mit Quellenuntersuchungen. Stuttgart , Göschen 1894, XV, 365 S. —J. Bayer, Alfred Meißner—Franz Hedrich. Ergänzende Nachträge zurBeleuchtung der alten Streitfrage (Deutsche Arbeit 1906, V, S. 236—257).
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