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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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Schutz, an wen soll der Geschädigte sich halten? An den ge-schickter Operierenden? Der wird begreiflicherweise (sieheLernet-Holenia)seine königlich bayrische usw. Ruh" habenwollen. Habeat sibi! Der für den Prominenten in Szene gesetzteLiteraturklüngel wird schon dafür sorgen.

Dr. Ernst Bloch wurde von Fritz Engel als Plagiator ent-larvt. ImBerliner Börsen-Courier" vom 12. September 1925hatte Theodor Fanta (Bohdan) eine kleine SkizzeEx-centrik" veröffentlicht, die dem Dr. Bloch so gut schien, daßer sie noch einmal schreiben mußte, nicht wortwörtlich natür-lich, sondern alsPhilosophische Glosse", wie er selbstbewußtfeststellt 98 ).

Hans Blühers zweibändiges WerkDie Rolle der Erotikin der männlichen Gesellschaft" (Jena, Eugen Diederichs ) hatbei seinem Erscheinen gewaltiges Aufsehen erregt und wurdein der Presse vielfach sehr lobend besprochen. Im Mai 1930trat nun Heinz Thies mit der Behauptung auf, daßHansBlühers Hauptwerk:Die Rolle der Erotik in der männlichenGesellschaft ein Plagiat" sei (Pfullingen , Johannes Baum 1930).In dieser in recht scharfem Tone abgefaßten Broschüre (Zu-rechtweisung" nennt sie Thies) kommt der Kritiker zu demwörtlich hier wiedergegebenen Endergebnis, daß besagtes Buchvon einem Menschen geschrieben ist, der keine eigenen Ge-danken, keinen Stil und Ehrenhaftigkeit hat. Es ist ein mit allerSchamlosigkeit und viel Gedächtnisarbeit bewußt zusammen-gestümpertes Plagiat größeren Umfanges eines kleinen auf-geblasenen Geistes mit dem Zweck, durch einen erotischenStoff, und zwar durch wissenschaftlich verbrämte Obszönitäten,von einer besonders gearteten Klasse von Menschen Geld zugewinnen." Thies wirft Blüher vor, daß er aus seinem persön-lichen Umgang mit Dr. Benedikt Friedländer (be-kannter unter dem Pseudonym Numa Praetorius) dessen in derUnterhaltung mit ihm vernommenen und in seinem WerkeDieRenaissance des Eros Uranios" niedergelegten Gedankeninhalt

9S ) DieKonfrontierung" der Vorlage und der Nachbearbeitung findetsich imBerl.Tagebl." v. 5. 2.1930 (vgl, a.Berl. Tagebl." Nr. 576 v. 6.12.1929).

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