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Das Reichsnotopfer / Staatsminister Dr. Helfferich
Entstehung
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I, Die Finanzlage.

Krieg und Revolution haben eine Last auf die heutigen Finanzengehäuft, wie sie nie zuvor von einem Volke zu tragen war. DerFriedensvertrag hat diese ungeheure Belastung noch um eine Summeerhöht, deren Bemessung in das Belieben unserer Feinde gestelltist und von diesen bis zum 1. Mai 1921 vorgenommen werdensoll. Solange wir diese Summe und damit den endgültigen Betragder Verschuldung des Reichs nicht kennen, ist es unmöglich, siche-n vollständiges Bild von der Finanzlage des Reichs zu machen undeinen Pia:" für die Abwehr des Zusammenbruchs aufzustellen. Alleswas .vorher zur Erschließung neuer Einnahmen geschieht, kanndemgemäß^ nur den Charakter finanzpolitischer Teil- und Not-maßnahmen tragen, genau so wie unsere ganze Steuergesetz-gebung während des Kriegs. Dieser bedauerlichen, aber sich ausder Sachlage mit Notwendigkeit ergebenden Tatsache muß beider Beurteilung dessen, was vor der Festsetzung der Gesamthöheund der Jahresbeträge der von' uns an unsere Feinde zu leistendenEntschädigungen geschehen kann, insbesondere auch bei der Be-urteilung der jetzt an die Nationalversammlung 7 kommenden Steuer-vorlagen, Rechnung getragen werden.

Eine weitere Voraussetzung für eine sachgemäße Beurteilungder jetzt durchzuführenden Finanzmaßnahmen ist, daß Klarheit überdie Finanzlage des Reichs wenigstens soweit geschaffen wird, alssie sich vor der Festsetzung der von uns nach außen zu leistendenEntschädigungen überhaupt gewinnen läßt. Der frühere Reichs-finanzminister Dr. Schiffer hat in seiner Rede vor der National-versammlung vom 15. Februar dieses Jahres und in einer balddarauf der Nationalversammlung vorgelegten Denkschrift eine solcheKlarheit für den damaligen Zeitpunkt zu geben versucht. Inzwischensind fünf weitere Revolutionsmonate ins Land gegangen und die