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Das Reichsnotopfer / Staatsminister Dr. Helfferich
Entstehung
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bürdung im Wege des Staatsbankerotts ginge ausschließlich zuLasten bestimmter Kategorien von Staatsbürgern, der rentenberech-tigten Beamten, der Inhaber von Reichs- und Staatsanleihen. Auchwenn ein Staatsbankerott auf die Verpflichtungen aus Anleihenbeschränkt würde, so wäre die Ungerechtigkeit unerträglich: Ge-troffen würde der Zeichner von Kriegsanleihen, verschont bliebeu. a. der Kriegsgewinnler, der seine Gewinne in andere Werte an-gelegt hat. Der Staatsbankerott oder auch nur die Herabsetzungder »Verzinsung der Kriegsanleihen wäre nichts anderes als eineBestrafung derjenigen, die während des Krieges ihre finanzielleWehrpflicht nach ihrem Vermögen erfüllt haben, und eine Prämiefür die finanziellen Drückeberger. Die wirtschaftlichen Wirkungenwären überdies verheerend. Nicht nur, daß, eine große Anzahl vonUnternehmungen, die während des Krieges ihre flüssig gewordenenMittel in Kriegsanleihe und Reichsschatzanweisungen angelegt haben,zusammenbrechen müßten; auch die Banken, Genossenschaften,Sparkassen, Versicherungsanstalten und Versicherungsgesellschaften,die ihre Mittel zum großen Teil dem Reiche durch Ankauf vonKriegsanleihen und Reichsschatzanweisungen zur Verfügung gestellthaben, wären ruiniert, und mit ihnen wären die weiten Kreise derEinleger und Versicherten um 1 ihr Geld gebracht. Der ganzeoder teilweise Staatsbankerott ist nichts anderes als die völlige oderteilweise Einziehung des in Reichs- und Staatsanleihen angelegtenVermögens. Wenn schon eine teilweise Einziehung der Vermögensich als notwendig erweisen sollte, Ufn| Reich oder Einzelstaatenlebensfähig zu erhalten und uni der deutschen Wirtschaft Erleichte-rung von einem ihr Wiederaufleben erstickenden Drucke zu ge-währen, dann darf diese Einziehung nicht einseitig gerade diejenigentreffen, die dem Reich in seiner größten Not ihre Mittel zur Ver-fügung gestellt haben.

So führen die Erwägungen, die für eine teilweise Abbürdungunserer iKriegs- und Revolutionsschulden und damit für eine Er-leichterung unseres künftigen wirtschaftlichen Schaffens sprechen,ganz von selbst zu dem Gedanken einer Vermögensabgabe.Der 'vorhandene Besitz, der durch den Krieg und bisher auch durchdie Revolution hindurch gerettet worden ist, würde auf diese Weiseder künftigen auf neue Vermögensbildung gerichteten und aus diesemStreben ihren Antrieb empfangenden wirtschaftlichen Arbeit einenTeil der 'Belastung abnehmen. Das ist der gesunde und berechtigteGrundgedanke.

Dieser Grundgedanke drängte sich mir schon auf während meinerZeit als Reichsschatzsekretär, die am 31. Mai 1916 ihr Ende fand,