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Soll Deutschland seine Goldwährung aufgeben? / von F. Thorwart
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Swnd^-r gewinnung: im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Produktion.

produitwn. während sie noch in dem Durchschnitt der Jahre 1881/1885 nur 155 000 KZbetrug, auf 282 000 im Jahr 1894, also auf nahezu das doppelte,gehoben. Professor Sueß in Wien hat zwar die Erschöpfung der Gold-lägerin einigen Jahrhunderten", neuerdings gar in einigen Jahrzehntenprophezeit, indessen braucht uns dieser Hinweis auf eine so ferne Zu-kunft gewiß nicht zu schrecken; wir werden die Sorge, ob die vervoll-kommnete Technik bis dahin nicht anderen Ersatz geschaffen haben wird,wohl den späteren Geschlechtern überlassen können. Aber abgesehen davonsind in neuester Zeit die großen Goldfunde in Afrika gemacht worden, inWitwatersrand z. B., wo 1887 35 000 Unzen im Werte von 2 500 000Mk., 1894 schon 2 000 000 Unzen im Werte von 140 000 000 Mk. andie Oberfläche geschafft wurden. Auch in den fünf ersten Monatendieses Jahres ist die Ausbeute wiederum fast 15 Prozent größer, alsdiejenige des gleichen Zeitraumes des Vorjahres. Der Preußische Berg-rat Schmeißer, welcher die dortigen Bergwerke sehr eingehend unter-sucht hat, hält sogar für wahrscheinlich, daß sich die Produktion vonWitwatersrand in zehn Jahren mehr als verdoppeln wird. In gleicherWeise zeigt sich auch in andern Ländern vermehrter Goldgewinn, so inIndien und in Colorado . Die Ausbeute des letzteren Landes hatteim Jahre 1891 einen Wert von nur 10 000 Mk., 1894 dagegenschon einen solchen von 20 Mill. M; in Britisch-Guiana wurden1884 250 Unzen Gold gefunden 18 000 Mk. wert; in 1894 da-gegen 138 000 Unzen im Werte von 10 Millionen Mk.!

Daß die Golddecke nicht zu kurz ist, zeigt das Verhalten dergroßen Kulturstaaten zur Goldwährungsfrage: Italien bezog 1880bis 1882 491 Millionen Mk. Gold, ohne daß der Silberpreis von 51 bis52 ä in London eine Änderung erfuhr; Österreich hatte Ende 1894einen in zwei Jahren angesammelten Goldstock von 712 Millionen Mk.aufzuweisen; Rußland vergrößert seinen Goldbestand, der auf800 Millionen Mk. geschätzt wird, abgesehen von den Goldvorräten derrussischen Reichsbank mit 1200 Millionen Mk., fortwährend und hatgerade neuerdings bestimmt, daß sogar die geringe Summe von einerMillion Rubel in Silber, welche im Noteneinlösungsfonds noch liegt,in Gold umgetauscht werden soll, sowie daß bei Abschluß von Ver-trägen deren Erfüllung in Gold bedungen werden darf: das besteZeichen, daß man auch dort in nicht zu langer Zeit zur Goldwährungübergehen will. Die Bank von Frankreich verfügt über eine so großeGoldmenge, daß sie 1893 sich weigerte, um diese nicht noch mehranschwellen zu lassen, Noten gegen Angebot von Gold herzugeben!

Auch der Hinweis auf den industriellen Verbrauch an Goldkann uns nicht beirren; er ist auf etwa 90 000 KZ im Jahr zuschützen, die Produktion dagegen hat 1894: 282 000 erreicht.Es verbleibt also für den Münzbedarf wie auch die Erfahrunglehrt noch überreichlich genügender Vorrat.