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auf dem Weltmarkt zu verkaufen, daß Schwankungen zwischen zwerMetallen ebenso unvermeidlich sind, als Schwankungen zwischen Metall-geld und im Uebermaße umlaufendem Papiergeld mit Zwangskurs unddaß endlich kein Staat stark genug ist, um über seine Landesgrenzenhinaus einem Metalle eine größere Kaufkraft, d. h. einen höherenWert beizulegen, als es am Weltmarkt besitzt.
II.
Trotz dieser stets wiederkehrenden erfolglosen Endergebnisse werdenmme?des^ die Silberfreunde in Deutschland nicht müde, neue internationale Be-Äch-s" sprechungen zu verlangen, welche ermöglichen sollen, daß das Silberzu festen Goldpreisen und ohne Beschränkung in Zahlung gegeben undgenommen werde. Nach ihrer Meinung besitzen wir infolge der Gold-währung zu wenig Umlaufsmittel; dadurch erhalte Gold eine höhereKaufkraft, welche die Preise der anderen Produkte Herabdrücke, undDeutschland sei im Nachteil gegenüber den Ländern mit billigerer Silber-oder gar Papierwährung. Aber mit der Behauptung der zu geringenAnzahl von Umlaufsmitteln in Deutschland stimmt schlecht, daß.das ausgeprägte Hartgeld in Deutschland 1 700 000 000 Mk. in 1871,dagegen 3 800 000 000 Mk. in 1894 betrug, worunter etwa2 800000 000 Mk. in Gold, 900 000 000 Mk. in Silber. AnGold hat Deutschland seit 1871 bis 1894 ausgemünzt 2 935 000 000 Mk.,wozu noch Vorräte an Gold in Barren und fremden Münzen im Wertevon 250000000 Mk. kommen; es geht ein verhältnismäßig kleiner Be-trag davon ab, der in das Ausland abgeflossen und eingeschmolzenworden ist. Die genannten Zahlen treten aber nur dann in dasrichtige Licht, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß der GoldvorratEnglands auf 2 Milliarden Mark, derjenige aller Kulturstaatenauf etwa 14 Milliarden Mk. geschätzt wird, so daß also Deutsch-land allein hiervon fast etwa ein Viertel besitzt. Der Behauptung,des Mangels an Zirkulationsmitteln widerspricht ferner die Thatsache ,daß der Notenumlauf der deutschen Banken kaum größer als ihrBarvorrat ist, trotzdem ihnen das Gesetz erlaubt, das Dreifache des-selben in Noten auszugeben: der Verkehr kann eine größere Noten-menge nicht gebrauchen. Im Ganzen liefen in Deutschland schätzungs-weise um pro Kopf
an Gold Silber P°Zergeld^md
1870 Mk. 2.80 Mk. 41.50 Mk. 13.40 Mk. 57.701894 „ 53.70 „ 18.70 ,. 7.60 „ 80.—
Demnach hat seit 24 Jahren eine Vermehrung an Gold und Silberum 60 Prozent, eine Verminderung des Papiergeldes um fast 50 Pro-zent, eine Gesamtvermehrung um fast 40 Prozent stattgefunden. Der Be-stand an Gold in der Reichsbank beträgt heute mehr als 800 Mill Mk.