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Soll Deutschland seine Goldwährung aufgeben? / von F. Thorwart
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kaufen. Dem Verkauf des deutschen Silbers war der glückliche Umstandzu statten gekommen, daß sich zugleich damit in Indien ein unge-heurer Metallbedarf zeigte. Ist dessen Konsum an Silber auch schonseit dem Altertum ein überaus großer, so hatte er sich gerade injener Zeit infolge des Ausbaus seines Eisenbahnnetzes noch wesentlicherhöht. So blieb denn auch der Preis des Silbers trotz der deut-schen Verkäufe ein verhältnismäßig hoher; von 1873 bis 1877 konntenwir etwa 2 500 000 KZ Silber zu durchschnittlich 56 ä. abstoßen.

Wenn nun nachher, als Deutschland nicht mehr als Verkäuferauftrat, der Silberpreis um so rascher gefallen ist von 52 ä Ende1879 auf 50 ä in 1885 und heute auf etwa 30 ä so müssen hierfürneue von jenen Verkäufen ganz unabhängige Ursachen maßgebendgewesen sein. Sie sind denn auch ausschließlich in der überausgroßen Zunahme der Silberausbeute zu suchen, welche von 900 000 KZan 1851 auf 2 000 000 KZ in 1871 und auf 4700000 KZ in1893 also um 422 Prozent innerhalb 40 Jahren trotz des andauern-den Preisfalles gestiegen ist und nur zu herabgesetzten Preisen Abnehmerfinden konnte. Vergebens waren die amerikanischen Bemühungen, jeneungeheure Ausbeute in Form von Silbermünzen in Umlauf zu bringen:5ie Bland Bill ordnete 1878 die Ausprägung von monatlich 2 bis 4Millionen Silber-Dollars, die Sherman-Bill später 1890 den AnkaufDon monatlich 4Vs Millionen Unzen Silber an; die Silbermünzen wurdenjedoch vom Verkehr nicht aufgenommen, sie kehrten zum Schatzamte zurück,deren Keller zu ihrer Aufbewahrung nicht groß genug waren. Dagegenwurde durch die gewaltsame Vermehrung der Silbermünzen das Goldaus dem Lande verdrängt; es floß nach Europa ab und die fort-dauernde Beunruhigung, in welche die Handelswelt Nordamerikas durchdiese Währungsexperimente versetzt wurde, und die Furcht, es könnte viel-leicht trotz aller Erfahrungen die Regierung der Forderung der freienSilberprägung (trss eoinaZs) nicht widerstehen, riefen endlich im Som-mer 1893 die jüngste Geld- und Kreditkrisis in den Vereinigten Staaten hervor. Inzwischen war auch Britisch Indien, welches bis dahin freieSilberprägung gehabt hatte, zur Schließung seiner Münzstätten geschritten,nachdem alle Versuche, der dortigen Währungsverschlechterung EinhaltM thun, fehlgeschlagen waren. Unter dem Eindrucke dieser Maßregel hobPräsident Cleveland die Sherman-Bill auf und infolge dieser beiden Maß-regeln sank der von den amerikanischen Spekulanten künstlich hoch gehalteneSilberpreis von 38 ä auf die heutigen 30 ä. Inzwischen waren wiederholtAnstrengungen gemacht worden, auf Kongressen und Konferenzen Mittel zufinden, welche dem Silber größere Verwendung in den Münzsystemen ver-schaffen sollten, so in den Jahren 1878, 1881. 1882, 1886. 1889,1892 und 1894. Jedesmal mußte man sich überzeugen, daß derVerkehr dasjenige unter den Münzmetallen bevorzugt, welches diegrößere Stetigkeit im Werte aufweist, daß er, wenn zwei Metalle gleich-berechtigte Zahlungsmittel sind, mit dem geringerm ertigen zahlt, dieseszur Münzstätte bringt und gegen das wertvollere austauscht, um letzteres