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Gold war z. B. im Jahre 1854 sogar so groß, daß die Bank vonFrankreich solches in England borgen mußte, um einen genügendenStock zur Deckung ihrer Noten zu behalten. Darin lag eine Ge-fahr für die Wertstetigkeit; es traten daher 1867 und 1869 inParis Enquetekommissionen zur Untersuchung der franzosischen Währungs-frage zusammen, in welchen sich drei Viertel der Mitglieder für Ein-führung der reinen Goldwährung aussprachen, namentlich mit Rück-sicht auf die gleichfalls hierauf gerichtete Strömung in Deutschland ,der gegenüber es unvorsichtig sein würde, zu warten, bis das demo-netisierte Silber Deutschlands nach Frankreich geströmt, Gold dagegenweggezogen sein würde. Die Beratungen wurden durch den Kriegvon 1870/71 unterbrochen; nach dessen Beendigung ging Deutschland zur Goldwährung über, Skandinavien folgte ihm, Holland stellte seineSilberprägungen ein und angesichts des Rückgangs des Silberpreisesin London (damals. 59 ä.) schloß Frankreich 1873 den Privaten, 1878endgültig seine Münzstätten für die Silberprägung, so daß auch diesesLand seitdem thatsächlich zur Goldwährung übergegangen ist.
Als Deutschland seine neue Währung schuf, entschloß es sichdazu in der Erwägung, daß ein der Veränderung ausgesetztes Preis-maß die erheblichsten Gefahren für Handel und Verkehr mit sich führt.Die erste Forderung des Handels und Gewerbes an die Münze ist, daßsie stetig, verlaßbar und sicher sei. und diese Vorzüge birgt das Golddank seines größeren natürlichen Wertes in höherem Grade als dasSilber in sich.
Die Mittel zur Einführung der Goldwährung fand Deutschland inder französischen Kriegskontribution und in dem Verkaufe des überschüssigwerdenden Silbers. Gleichzeitig wuchs die Ausbeute der Silberbergwerkein Nevada ganz beträchtlich und da außerdem die Münzstätten Frankreichs wie der andern zum Lateinischen Münzbund gehörigen Staaten (seit 1874)und Österreichs (seit 1879) nicht mehr als Käufer des weißen Metallsauftraten, so ging dessen Preis naturgemäß mehr und mehr zurück. Alsnun auch Nordamerika die Wiederaufnahme seiner durch den Sezessions-krieg unterbrochenen Barzahlungen und zwar in Gold für das Jahr 1879beschloß, wurden Stimmen laut, daß eine allgemeine nicht zu befrie-digende Nachfrage nach den Goldvorräten des offenen Marktes ent-stehen werde, und die Besitzer der amerikanischen Minen rührten an-läßlich des Sinkens der Silberpreise die Lärmtrommel, um diesenGlauben in immer weiteren Kreisen zu verbreiten. Von der gleichenAnschauung, daß Deutschland nicht genug Gold zur Ausprägung vonUmlaufsmitteln erwerben könne, scheint der damalige Reichsbankpräsi-dent v. Dechend ausgegangen zu sein, als er die deutsche Reichs-regierung zur Einstellung der Silberverkäufe veranlaßte und FürstBismarck das bekannte aber ganz falsche Wort von der „zu kurzenGolddecke" sprach. Seitdem besitzen wir eine sogenannte hinkendeGoldwährung, da neben den silbernen Scheidemünzen noch unserealten Thaler gewissermaßen als fiktive Goldmünzen zu 3 Mk. um-