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sein, denn bei ihnen verringern sich angeblich die Produktionskosten mitdem fallenden Silberpreise. Sie sind also in der Lage, ihre Erzeugnissezu billigeren Preisen auf den Weltmarkt zu bringen als die Völker,die unter der Herrschaft des stetigen und der Veränderung nicht aus-gesetzten Goldes leben; sie können demnach ihre Konkurrenten jeder-zeit unterbieten. Daß dies jedoch keineswegs ohne Weiteres zutrifft,sehen wir z. B. an Indien; wäre jene Annahme richtig, so müßtesich der Export dieses Silberlandes von Jahr zu Jahr vergrößern. Stattdessen weisen trotz des fallenden Silberpreises die Ziffern der Wareneinfuhrdorthin seit dem Jahre 1881 eine um 10 Prozent höhere Steigerung nachals diejenige der Ausfuhr; ja nach England ist letztere seitdem etwas zurück-gegangen ; dagegen hat sich die englische Einfuhr nach Indien um 25Prozent vermehrt und ist der Gesamtimport Indiens und zwar ganzüberwiegend aus Goldwährungsländern von 318 Millionen Rupies inden Jahren 1869 bis 1873 auf 740 Millionen Rupies in 1893 d. h.unter Berücksichtigung des jeweiligen Durchschnittskurses der Rupie umdas 1^2 fache gewachsen. Und entsprächen die anderen Behauptungenden Thatsachen , so müßten die Silberländer fortwährend an Wohlstandund Reichtum zunehmen, während in Wahrheit dort die erwerbthätigenBevölkerungsklassen unausgesetzt Klage darüber führen, daß sie bei Be-rechnung der Verkaufspreise ihrer für das Ausland bestimmten Warenauch noch die täglich auf- und niedergehenden Schwankungen derWechselkurse berücksichtigen müssen. Jedermann kann beobachten, daßes gerade die reichen Länder sind, welche sich der Goldwährung er-freuen, daß die armen dem Auslande verschuldeten Länder mit minder-wertiger Währung behaftet sind.
Wenn man ferner von einer angeblichen Schädigung unsererAusfuhr durch das Sinken der Silberpreise spricht, so sei daraufhingewiesen, daß diese nach den Silberländern nur 4 Prozent desganzen deutschen Exportverkehrs beträgt, während 96 Prozent aufGold- und Papierwährungsländer entfallen. Unser Export nachersteren hat auch keineswegs aus Anlaß des Falls des Silbers gelitten,wie genaue statistische Feststellungen beweisen, im Gegenteil erfuhr erin den beiden letzten Jahrzehnten eine ganz beträchtliche Zunahme. Daßwir aber die Goldländer in erster Linie berücksichtigen, mit denen wir denüberwiegend größten Handelsverkehr Pflegen, liegt auf der Hand. Danebentreten wir im Auslande nicht nur als Verkäufer sondern auch als Käuferauf. Schon aus diesem Grunde müssen wir alles vermeiden, was denGlauben hervorrufen könnte, als würde jemals an Stelle der deutschenGoldmark eine minderwertige Silbermark treten. Früher war unserAuslandshandel von dem den Weltmarkt mit seiner Goldwährung be-herrschenden England abhängig; jetzt hat unsere Reichsmark im inter-nationalen Verkehre eine ebenso allgemeine Wertanerkennung gefundenals das Pfund Sterling . Mehr und mehr schreibt das Ausland fürunsere Importe Markwechsel auf Hamburg und Berlin aus, statt daßdie Zahlung wie früher in London geschehen muß und wir dort Kosten