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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
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sein würde mit der Würde und dem Prestige, auf die beide Kaiser-reiche in gleicher Weise bedacht seien. In dieser direkten und aufdie beiden unmittelbar Interessierten begrenzten Form würde alsodie Prüfung stattfinden, die Sir Ed. Grey den vier nicht unmittelbarinteressierten Mächten zu übertragen vorgeschlagen hatte. Sir M.de Bunsen, der sich bei mir befand, hat Herrn Schebeko alsbalderklärt, dass das Foreign Office dieses neue Vorgehen durchausbilligen werde.)

Am folgenden Tage empfing der russische Botschafter in Berlin die Mitteilung, dass der Österreich-ungarische Botschafter in Peters-burg die Erklärung des Grafen Berchtold gegenüber Herrn Sche-beko bestätigte mit der Erklärung, seine Regierung sei bereit, mitder russischen Regierung die Note an Serbien zu diskutieren, so-gar hinsichtlich ihres materiellen Inhalts (que son Gouvernementétait prêt à discuter avec le Gouvernement russe la note à la Serbie,même quant au fond"). (Gelbbuch No. 121.)

Die österreichisch-ungarische Regierung hatte also ara30. Juli einen entscheidenden Schritt auf dem Wege derNachgiebigkeit getan, indem sie die direkten Verhandlun-gen mit Russland wieder aufnahm und sich dabei bereiterklärte, in eine bisher hartnäckig verweigerte materielleDiskussion der an Serbien gerichteten Note einzutreten.Der Grund dieser entscheidenden Nachgiebigkeit Oesterreich -Un-garns, die für den Augenblick der Krise den akuten Charakternehmen musste, ergibt sich ohne weiteres, wenn man das deutscheWeissbuch heranzieht. Am 28. Juli hatte der Deutsche Kaiserdem Zaren telegraphiert:

Eingedenk der herzlichen Freundschaft, die uns beide seitlanger Zeit mit festem Band verbindet, setze ich daher meinenganzen Einfluss ein, um Oesterreich-Ungarn dazu zu bestimmen,eine offene und befriedigende Verständigung mit Russland anzu-streben." !

Und in dem Telegramm an den Zaren vom 29. Juli sagte derDeutsche Kaiser :

Ich glaube, dass eine direkte Verständigung zwischen DeinerRegierung und Wien möglich und wünschenswert ist, eine Ver-ständigung, die wie ich Dir schon telegraphierte Meine Re-gierung mit allen Kräften zu fördern bemüht ist."

Der Kaiser fügte, wie hier gleich hervorgehoben sei, hinzu:Natürlich würden militärische Massnahmen Russlands, die Oester-reich-Ungarn als Drohung auffassen könnte, ein Unglück beschleu-nigen, das wir beide zu vermeiden wünschen, und würden auchmeine Stellung als Vermittler, die ich auf Deinen Appell an meine