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Wie später das Ausscheiden der drei Friedensfreunde vor aller Weitoffenkundig machte, nicht einheitlich war.
Zunächst setzte Sir Edward Grey dem Drängen Russlands undFrankreichs nach einer sofortigen Solidaritätserklärung einigenWiderstand entgegen. Er billigte durchaus die von Buchanan gegen-über Sasonoff am 24. Juli abgegebenen Erklärungen, von denen diewichtigste war, dass England kaum eine unbedingte Verpflich-tung zur Waffenhilfe für Frankreich und Russland eingehen könne,da die öffentliche Meinung in England einen Krieg wegen Serbiens nicht sanktionieren werde (Blaubuch No. 6); ja, er bestätigt aus-drücklich :
"I do not consider that public opinion here would, or ought to,sanction our going to war over a Servian quarrel" (Ich glaubenicht, dass die öffentliche Meinung hier es sanktionieren würdeoder sollte, dass wir wegen eines serbischen Streites in den Krieggehen) (Blaubuch No. 24).
Die Haltung Englands hat, wie sich zwar nicht aus den ver-öffentlichten Dokumenten, aber aus der Presse jener Tage ergibt,in Petersburg und Paris auf das peinlichste berührt.
Die russische und französische Diplomatie versuchte Sir EdwardGrey zu beeinflussen durch die Behauptung, die Gefahr liege darin,dass die deutsche Regierung Englands Nichteinmischung als sicheransehe: sobald England sich entschlossen auf die Seite Russlands und Frankreichs stelle, werde Deutschland auf Oesterreich -Ungarndrücken und die Kriegsgefahr sei beseitigt (Blaubuch No. 17). SirG. Buchanan antwortete noch am 27. Juli Herrn Sasonoff auf dieseimmer wiederkehrende Argumentation in durchaus zutreffenderWeise, er irre sich, wenn er glaube, dass ein solches Vorgehen derSache des Friedens dienen werde. Durch eine solche DrohungWerde Deutschland lediglich steif gemacht werden („Their attitudewould merely be stiffened by such a menace") (Blaubuch No. 44).
Wehrend der englische Botschafter in Petersburg auf dieseWeise aussprach, was lediglich selbstverständlich war, dass näm-lich eine Drohung Englands an Deutschland ihren Zweck nicht nurverfehlen, sondern die kritische Lage verschärfen müsse, begann manin London dem Drängen Frankreichs und Russlands nachzugeben.
Sir Edward Grey Hess sich zunächst von Paul Cambon seinenKonferenzvorschlag einflüstern, und zwar in der folgenden Form:das britische Kabinett solle von der deutschen Regierung verlangen„de prendre l'initiative d'une démarche à Vienne pour offrir unemédiation, entre l'Autriche et la Serbie, des quatre Puissances nondirectement intéressées" (die Initiative zu ergreifen zu einem Schrittin Wien , um eine Vermittlung der nicht direkt interessierten vierMächte in der österreichisch-ungarisch-serbischen Frage anzubieten).