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(GelbbucK No. 32.) Der Vorschlag war von vornherein aussichts-los; denn abgesehen davon, dass er Deutschland eine Initiative beiseinem Bundesgenossen zuspielen wollte, die Frankreich bei Russ-land ängstlich ablehnte, war der österreichisch-ungarische Stand-punkt, dass eine Einmischung oder Vermittlung Dritter in denösterreichisch-ungarisch-serbischen Konflikt unannehmbar sei,bekannt; und ferner hätte Oesterreich-Ungarn durch die Annahmedes Grey-Cambonschen Vorschlags eo ipso Russland im öster-reichisch-ungarisch-serbischen Konflikt als ..Puissance directementintéressée" anerkannt, was im striktesten Gegensatz zu den öster-reichisch-ungarischen Auffassungen und Absichten stand. Aber in-dem Paul Cambon Sir Edward Grey auf dieses Eis lockte, erreichteer mit der sicher zu erwartenden deutschen Ablehnung eine Ver-schlechterung der Stimmung des englischen Kabinetts gegenüberDeutschland. ;
Daneber, zeigten sich aus dem Kreise der britischen Regierunggewisse Ermutigungen für Frankreich und Russland . Welche Kräftedabei am Werke waren, ergibt sich aus dem Zusammenhalt zweierTelegramme (Gelbbuch No. 63 und No. 66), die der französischeGeschäftsträger in London am 27. Juli an seine Regierung richtete.Die beiden Telegramme mögen hier im Wortlaut Platz finden:
No. 63.
„Londres , le 27 juillet 1914.L'Ambassadeur d'Allemagne etl'Ambassadeur d'Autriche-Hongrielaissent entendre qu'ils sont sûrsque l'Angleterre garderait la neu-tralité si un conflit venait à éclater.Sir Arthur Nicolson m'a dit que,cependant, le prince Lichnowskine pouvait, après la conversationqu'il a eue avec lui aujourd'hui,conserver aucun doute sur laliberté qu'entendait garder le Gou-vernement britannique d'inter-venir, au cas où il le jugeraitutile.
L'Ambassadeur d'Allemagnen'aura pas manqué d'être frappéde cette déclaration, mais pourpeser sur l'Allemagne et pouréviter un conflit, il semble indis-
Der deutsche und der öster-reichisch - ungarische Botschafterlassen durchblicken, sie seiensicher, dass England im Falleeines Konflikts neutral bleibenwerde. Sir Arthur Nicolson hatmir indessen gesagt, der FürstLichnowsky könne nach der Unter-haltung, die er heute mit ihm ge-habt habe, nicht mehr darüberim Zweifel sein, dass die eng-lische Regierung sich die Freiheitdes Eingreifens vorzubehalten ge-denke, für den Fall ihr dies nütz-lich erscheine.
Der deutsche Botschafter istsicher durch diese Erklärung be-troffen gewesen; aber um aufDeutschland zudrücken und einenKonflikt zu vermeiden, muss es