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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
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französische Regierung hatte selbstverständlich mit Emphase dieAchtung der belgischen Neutralität zugesagt. In Berlin dagegenhatte der Staatssekretär des Auswärtigen dem englischen Botschaf-ter erklärt, er müsse erst den Kaiser und Kanzler befragen. "Igathered from what he said that he thought any reply they mightgive could not but disclose a certain amount of their plan of cam-paign in the event of war ensuing, and he was therefore verydoubtful whether they would return any answer at all." (Ich ent-nahm aus dem, was er sagte, dass er meint, jede Antwort, die sie(Kaiser und Kanzler) geben könnten, müsse notwendig einen Teildes Feldzugsplans für den Fall eines entstehenden Krieges enthüllen,und er war deshalb sehr zweifelhaft, ob sie überhaupt eine Antwortgebeii würden). (Blaubuch No. 122.) Dieser Bericht Goschens istam 31. Juli in Berlin spät abends abgegangen und laut Vermerk imenglischen Blaubuch am 1. August im Foreign Office eingegangen.

Das englische Echo folgte prompt. Bereits die nächste Nummerdes Blaubuchs (123) enthält eine Mitteilung Greys an Goschen vom1. August; laut welcher Sir Edward dem Fürsten Lichnowsky sagte,die Antwort der deutschen Regierung betreffend die belgische Neu-tralität sei für ihn ein Gegenstand sehr grossen Bedauerns (a matterof very great regret), denn die Neutralität Belgiens berühre dasGefühl Englands (affected the feeling in this country). WennDeutschland zu antworten vermöge, wie Frankreich geantwortethabe, so würde dies wesentlich dazu beitragen, die Aengstlichkeitund Spannung (tension) in England zu erleichtern. Andererseits,wenn ein Kriegführender die belgische Neutralität verletze, währendder andere sie achte, werde es äussert schwierig sein, das öffent-liche Fühlen in England zurückzuhalten. Fürst Lichnowsky stelltedie Gegenfrage, ob im Falle einer Verpflichtung Deutschlands , diebelgische Neutralität zu achten, England sich seinerseits zur Neu-tralität verpflichten wolle. Grey wich aus, behauptete, die Händeder englischen Regierung seien noch frei und sie sei im Begriff zuüberlegen, was sie zu tun habe. Er könne nur sagen, dass ihreHaltung in weitem Umfang durch die öffentliche Meinung bestimmtwerde, für welche die Neutralität Belgiens ein starkes Moment sei.Aber er sei nicht der Meinung, dass allein auf Grund dieser Bedin-gung England seine Neutralität zusagen könne. Der Fürst Lich-nowsky stellte darauf die dringende Frage, ob Grey nicht die Be-dingungen formulieren könne, unter denen England neutral bleibenwerde. "Hs even suggested that the integrity of France and hercolonies might be guaranteed." (Er regte sogar an, dass die Inte-grität Frankreichs und seiner Kolonien garantiert werden könnte.)Aber Grey hatte darauf nur die Antwort: "I felt obliged to refusedefinitely any promise to remain neutral on similar terms,