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russische Regierung hat vielmehr den Befehl zur allgemeinen Mobil-machung erlassen, unmittelbar nachdem auf Grund der Einwirkungdes Deutschen Kaisers in Wien Oesterreich-Ungarn sich in dem ser-bischen Konflikt zu einer entscheidenden Nachgiebigkeit entschlossenund diesen Entschluss dem russischen Botschafter in Wien mitge-teilt hatte. Russland hat also durch die allgemeine Mobilmachungden Krieg heraufbeschworen in einem Augenblick, in dem die Hoff-nung auf Erhaltung des Friedens durch einen versöhnlichen SchrittOesterreich -Ungarns wieder auflebte.
3) Russland war nach seiner eigenen Erklärung von Anfangder Krisis an entschlossen, alle Risiken eines Krieges auf sich zunehmen, wenn es der Hilfe Frankreichs sicher sei. Die Zusage derunbedingten Waffenhilfe Frankreichs hat Russland am 29. Juliabends erhalten, aller Wahrscheinlichkeit nach verbunden mit derMitteilung dass Frankreich England an seiner Seite haben werde.
4) Frankreich hat eine Zusage der unbedingten Waffenhilfefür Russland erst gegeben, nachdem die französische Regierung derMitwirkung Englands versichert zu sein glaubte. Die Gewissheitder Waffenhilfe Englands erhielt die französische Regierung durchdie Eröffnung, die der britische Staatssekretär des Auswärtigen amVormittag des 29. Juli dem französischen Botschafter über die vonihm beabsichtigte Absage an den deutschen Botschafter gemacht hatte.
5) Die für die Politik Englands massgebenden Persönlichkeitenwaren durch die Entente mit Frankreich von vornherein innerlichgebunden und sind im Laufe der kritischen Woche, wenn sie nichtvorher bereits entschlossen waren, zu dem Entschluss gekommen,unter allen Umständen bei einer Verwicklung Frankreichs in denKrieg einzugreifen.
6) Die für die englische Politik massgebenden Personen warenferner der durchaus zutreffenden Ansicht, dass ein Krieg aus An-lass der serbischen Frage nicht die Billigung der öffentlichen Mei-nung finden werde. Deshalb richteten sie ihre Anstrengungendarauf, einen für die englische öffentliche Meinung annehmbarenKriegsvorwand zu finden. Als solcher bot sich die Verletzung derbelgischen Neutralität, die jahrelang vorher von Belgien selbst kom-promittiert war und deren Achtung für den Ernstfall nach deneigenen Erklärungen des englischen Militärattache^ in Brüssel sei'tens des englischen Generalstabes nicht beabsichtigt war.
7) Wie sehr die Verletzung der belgischen Neutralität durchDeutschland für das britische Kabinett nur ein Vorwand war, ergibtsich daraus, dass vor der Stellung des englischen Ultimatums anDeutschland wegen Belgiens der englische Staatssekretär des Aus-wärtigen dem französischen Botschafter formell erklärt hatte, dass