Besoldungsordnung, die aus nahezu eine Milliarde veranschlagtwerden, noch nicht enthält, und daß nach seinen Mitteilungenserner mit erheblich größeren Zuschüssen zur Beschaffung aus-ländischen Getreides gerechnet werden muß, so ist klar, daß inder Tat das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe dessogenannten ordentlichen Etats nur auf dem Papier steht und daßsich der Reichsfinanzminister im Juli dieses Jahres etwas voreiliggerühmt hat, zum ersten Mal seit der Vorkriegszeit einen Etatvorzulegen, bei dem im Ordinarium Einnahmen und Ausgaben sichdecken.
Beim außerordentlichen Etat sind netto 50 Milli-arden Mark ungedeckt. Dazu kommt dann der Fehlbetrag bei denBetriebsverwaltungen mit 18 Milliarden Mark, sodaß der F e h l -betrag insgesamt die himmelschreiende Höhe von 68 MilliardenMark erreicht. Auf dem Papier! In Wirklichkeit wird der Fehl-betrag die Summe von 7t> Milliarden zweifellos beträchtlich über-steigen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Durch den verlorenenKrieg!)
Meine Damen und Herren! So sieht, befreit von allen Re-tuschen, das Bild unseres Reichshaushalts in Wirklichkeit aus:mehr als IM Milliarden Ausgaben, die in Wirklichkeit noch über-troffen werden) knapp 3t> Milliarden Einnahmen, die zum erheb-lichen Teil auf dem Papier stehen: rund 7l) Milliarden — wahr-scheinlich sehr viel mehr — Fehlbetrag, für den es eineDeckung weder in Einnahmen noch in Anleihen gibt, ein Fehl-betrag, für den infolgedessen die Notenpresse allein die Mittel wirdliefern müssen. Also neues gewaltiges Anwachsen der Hochflutdes Papiergeldes und damit neue Entwertung des Papiergeldesim Inland und Ausland!
Zn seinen etwas pathetischen Schlußworten hat uns der HerrReichsfinanzminister zwar mit Goethe zugerufen, wir müßten überdie Gräber hinweg dem Licht und der Freiheit entgegenschreiten.Aber einen Lichtblick hat uns der Herr Finanzminister leider nichtgezeigt. Im Gegenteil: er Hot uns darauf vorbereitet, daß es imnächsten Jahr noch schlimmer sein wird als in diesem: er hat unsmitgeteilt, daß heute schon für das nächste Jahr im ordentlichenBudget ein Mehrbetrag von 4,Z Milliarden zu übersehen ist, dazneine weitere Milliarde Fehlbetrag für Eisenbahn und Post, macht
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