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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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Herr Dr. Bamberger würde sagen, daß es einunbe-rechenbares Glück" für die indische Regierung gewesen ist, daßsienoch mit verhältnißmäßiger Leichtigkeit" ihr Münzwesenvon demzu den heftigsten Schwankungen und zu einer sogroßen Werthverminderung verurtheiltcn Silber in der Haupt-sache befreit habe". Die wirklichunbefangene Anschauungder Dinge" aber sieht ohne Weiteres ein, daß wenn die in-dische Regierung nicht die Störung durch ihre Maßnahmenbewirkt hätte, das Silber nicht um 20°/o entwerthet wäre.

Und genau wie bei dieser letzten Entwerthung ging esbei der ersten, nur daß die Dinge leichter verschleiert werdenkönnen, weil sie nicht so drastisch zu Tage traten. WeilDeutschland und in Folge dessen Frankreich die Silbcrprägungenaufgaben, konnte Silber überhaupt erst sich entwerthen undentwerthete es sich thatsächlich. Die Zunahme der Silber-produktion ist nicht die Ursache, sondern vielleicht sogar eineWirkung der Entwerthung gewesen, jedenfalls trat sie erst nachBeginn der Entwerthung und nach der deutschen Münzreformein, und als diese durchgeführt wurde, ahnte man die Silber-entwerthung so wenig, daß Bamberger in einer Reichstagsrededas Werthverhältniß von 1 : 15,s als dasjenige bezeichnete,in welches Silber immer wieder gekommen, wenn es zeitweiseim Werthe geschwankt habe.

Wenn von einer künstlichen Wcrthsteigerung überhauptgesprochen werden kann, so haben Dr. Bamberger und seineFreunde diese beim Golde erstrebt und vorgenommen, indemsie es zum alleinigen Werthmetall machten. Was die Bimetallistenwollen, ist die Beseitigung dieser künstlichen Vertheuerung desGoldes und der künstlichen Entwerthung des Silbers. Indemman die Ursache beseitigt, hört auch die Wirkung auf,indem man dem Silber die Münzstätten öffnet, fällt Grundund Ursache der Entwerthung weg. Würde man heut mit demGolde verfahren, wie man mit dem Silber verfuhr, so würdedieses sich ebenso entwerthen, wie das Silber.

Diese Dinge können eigentlich nicht mehr als streitiggelten, seit die große englische Enquete einstimmig unter Zu-stimmung ihrer Goldwährungsmitglieder diesen Zusammenhangder Dinge als unleugbar anerkannt hat. Aber für Bambergergiebt es keine Thatsachen, welche gegen die Goldwährungsprechen, er kennt sie entweder nicht oder er schlägt ihnen ins