24
von den Verträgen, die gebrochen werden können, hat ja viel-leicht entscheidend eingewirkt, indem es den Grund abgab,weswegen der frühere Finanzminister von Scholz den Bimetallis-mus bekämpfte.
Bamberger wendet sich schließlich der Frage derGoldproduktion zu. Die Goldwährung befähigt ihn, auchüber geologische Fragen ein maßgebendes Urtheil abzugeben.Daß er, wenn er in allen seinen Angaben Recht hätte, die SüßscheTheorie nicht umwerfen würde, macht nichts, denn das Publi-kum weiß von dieser nur, daß Süß eine Verminderung derGoldproduktion vorausgesagt, diese ist noch nicht eingetreten, dasgenügt, nach uns die Sündfluth. Ich habe eine andere Auf-fassung der Dinge. Ueber die Frage der Goldproduktion werdeich mich mit Bamberger noch ausführlich auseinandersetzen. Ichwill hier nur eins hinzufügen.
Die Goldproduktion wie sie ist reicht nicht aus, würde siesich verdoppeln, so wäre sie noch ungenügend namentlich gegenüberdem stetig anwachsenden außermonetären Goldbedarf. Die Wissen-schaft aber zeigt, daß eine Verminderung der Goldproduktionwahrscheinlich ist. Je rapider das vorhandene Gold jetzt aus-gebeutet wird, um so schneller die Erschöpfung, denn Goldwächst nicht nach, es ist immer nur ein bestimmtes Quantumvorhanden. Wenn aber die Goldproduktion auf den Umfangzurückfällt, den sie immer außer in den letzten 40 Jahren gehabthat? Dies macht Süß' Theorie wahrscheinlich, und das kannnur angezweifelt werden, wenn man diese Theorie selbst wider-legt. Wie können wir uns aber auf ein Münzsystem in derWelt einrichten, von dem wir zweifelhaft sein müssen, ob esin zehn Jahren überhaupt noch möglich ist. Wir richten dochunser Münzwesen nicht für ein paar Jahre, sondern dauernd,nicht für gute Zeiten, sondern sturmfest ein. Das ist beiGoldwährung unmöglich. Das Experiment ohne Silber aus-zukommen, ist verfehlt, und wenn Bamberger nicht die Kunst er-findet, Gold zu machen, mit der Kunst der Worte und der Ver-drehung der Thatsachen allein setzt er es auf die Dauer nichtdurch. Ein geschickter Advokat kann auch für eine schlechte SacheErfolge haben, aber schließlich kommt das Recht doch zur Geltung,und es scheint, daß in der Währungsfrage dieser Zeitpunkt jetztendlich nahe ist. (Deutsches Wochenblatt Nr. 4 v. 25. Januar 1894.)