7
arbeitete. Er bestand dann auch dieses Examen „ohne Be-schwerde“ im Frühjahr 1847. Da im Grossherzogthum Hessenkein Jude im Staatsdienst angestellt zu werden pflegt unddie Advocatur nicht frei war, vielmehr die Stellen der Ad-vocat-Anwälte der Anciennität nach besetzt wurden, warendie Aussichten auf ein sicheres und baldiges Vorankommenfür den jungen Juristen keineswegs günstige. Denn auf eineWartezeit „manchmal bis zu 15 Jahren“ mussten die Aspi-ranten gefasst sein. Das war wenig lockend. Da Bambergerneben seinen juristischen Studien die philosophischen fort-gesetzt, vor Allem aber die bedeutendsten englischen nndfranzösischen Nationalökonomen und die Schriften FriedrichList’s durchgearbeitet hatte, lag ihm die Versuchung, sichganz einer rein wissenschaftlichen Carriere zu widmen, umso näher, als er schon in Heidelberg in nahe Berührung mitjungen Gelehrten, wie H. B. Oppenheim und J. Moleschott ,gerathen war.
Aber es sollte anders kommen! Im Februar 1848 hattendie beiden Göttinger Kameraden, die in Heidelberg ihreStudien fortgesetzt hatten, ihren Freund zu einem längerenBesuche eingeladen. Er sass auf ihrer Stube und studiertePrichard’s Untersuchungen über die Naturgeschichte derMenschen, als ihm ein Landsmann von der Strasse aus zu-rief, in Paris sei eine Revolution ausgebrochen und LouisPhilipp sei verjagt. Diese Nachricht wirkte auf Bambergerwie auf viele seiner Zeitgenossen, die zwar der Entwicklungder Dinge in Frankreich mit gespannter Aufmerksamkeit ge-folgt waren, aber gar nicht an aktive Bethätigung an dempolitischen Leben gedacht hatten, dennoch geradezu berauschendund erschütternd.
Sicher einer der begabtesten unter seinen Altersgenossen,von den Grundsätzen der französischen Revolution durch-tränkt und von den Lehren der radikalen deutschen Philo-sophie erfüllt, stürzte sich von da ab Bamberger mit demFeuereifer der Jugend, die nur der Wahrheit und der Reinheitihrer Ueberzeugungen ohne Rücksicht auf das Bestehendefolgen zu müssen glaubte, in die Bewegung. Zunächst wollte