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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Mainz. Fust und Schöffer .

noch schärfer ausgedrückt. Auf dem 92. oder letztenBlatte nennt sich der Drucker:Albrecht pfister zu Uamberg."

Die Geschichte, wie Pfister's Werke nach undnach entdeckt worden sind, hat Sprenger in sei-ner ältestenBuchdruckergeschichte von Bamberg"Nürnberg 18(10. 4. Seite 15-17., soweit nämlichdieselben zu seiner Zeit aus den baierischen Klösternschon an das Licht getreten waren, ausführlicherzahlt. Aus derselben aber gehet hervor, das) dieserBriefdrucker iu Bamberg , mit dem xylographischenBücherdrncke anfangend ohne erweislichen Einflußvon anderwärts her durch eigenes Streben denUcbcrgang von jenem zu dem mit gegossenen Typengefunden und nur darin hinter Gutenberg , Fustund Schöffer zurückgeblieben ist, daß er nicht übereine große Missaltype von einerlei Gattung hinauszum Gusse kleinerer Lettern gelangen konnte, womitdas Schöffer 'sche Verfahren die neue Kunst berei-chert hat. Von seinen Lebensumstauden ist nichtsAutheutisches bekannt; doch ist er wahrscheinlich derSohn Ulrich Pfister's, welcher alsGeleitsgeldner"aus der Frankfurter Messe in einer Urkunde vomJahre 1440 vorkommt. Ebenso wahrscheinlich istdas künstliche Druckwerk, welches den Titel führt:Diß liuch ist genant die vier und tzwrnzigalten oder der guldin tron gesetzct vonbruder Gtten von vnssowe."ohne Angabe des Druckorts und der Jahreszahl,162 Blatter in kl. Folio mit 26 Holzschnitten, vonseinem Sohne Sebastian Pfister um das Jahr 1470herausgegeben worden. Vielleicht ist dieser durchobiges kostspieliges Werk, worin er eine herrlicheProbe seiner Holzschneidekunst abgelegt, bei gleicherHärte der Glaubiger, wie gegen Gntenberg, öko-nomisch zerrüttet zur Auswanderung, oder zur Ab-tretung seiner Druckwcrkzcuge genöthigt worden;denn sein Name kommt nicht wieder vor. OhneZweifel hatte Albrecht Pfister keinen bleibendenAufenthalt in Bamberg , denn wie ließe es sicherklaren, daß jene Stadt dnrch volle 19 Jahre,von 1462-1481, mit keinem neuen Drucke hervor-trat, wenn sie eine bleibende Druckerei gehabt habensollte? Daö Gediegenste über diesen denkwürdigenMann sagt I. H. Jaeck in:Albrecht Pfister und

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dessen sämmtliche Nachfolger im Büel'erdruckc undHandel zu Bamberg von 1450-1835." in seinerBeschreibung der öffentlichen Bibliothek zu Bam-berg , 1835. III. Abth. Einlcitnug.

Main z.

Fust und Schöff er.

Nach dieser Episode, welche nns mit der merk-würdigen Erscheinung einer selbststaudigcn Dru-ckerei, uoch zu Gutenbcrg's Zeiten, in Bamberg vertraut machte, kehren wir zn Fust und Schöffer nach Mainz zurück. Uuter den Schrecknissen des27. und 28. Octobers 1462 wurde auch ihre Werk-statt, wie alle übrigen in Mainz , von den Arbei-tern verlassen und ihre Presse dadurch in Stillstandversetzt. Doch sie erholte» sich balv wieder und be-gannen mit neuer Anstrengung ihre Arbeit. Wirbegegnen, wenn wir die chronologische Reihenfolgeihrer Druckwerke ins Auge fassen, zunächst dem

Ablaßbrief des Papstes pius II.

oder

Pulla cruciatll Snnctissimi Domini nostriPapae II.) contra Turchos.

Datirt aus Nein vom 11. November 1463.

Diese Bulle erschien zugleich auch in deutscherSprache in acht Folioblatlcrn, uuter dem Titel:Pis ist die Pull zu diitsch die vnscr aller-

heiligster votier der lialiot Pins herusz

gcsant hait undder die snodrn vngliiu-

bigen turrkcn."Der Titel ist mit Psalmcntypcn, der Tert mit jenendes I^!>tiuiUll>: (livlnorum »sticlvriim gedruckt.Zwei Jahre spater vollendeten sie

Donifoeius VIII Fiber Sertus Derrcta-

limn. Mainz , 17. December 1465.Eine Fortsetzung der ans Befehl Gregor'S IX. gesam-melten sünf Bücher der Dccrctalcn uud heißt des-wegensilier Sextus". Das ganze Werk zählt141 Blätter in Folio und hat weder Signaturen,