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2. ein Goldabflufs nach Amerika eingetreten ist, der kon-stanten Ursachen entspricht und deshalb zu einer dauerndenwirthschaftlichen Erscheinung zu werden droht. Wir verlangen,dafs uns die Möglichkeit gegeben werde, Amerika in Silber zubezahlen, die Amerikaner erklären sich bereit, das zu nehmen,nur so können wir die dauernde Versorgung Europas mit Brot ermöglichen.»
Nun, verhungert ist Europa inzwischen nicht. Im Gegcn-theil, die Versorgung Europas mit amerikanischem Brot ist denHerren Bimetallisten inzwischen wohl etwas zu intensiv geworden.Der Goldabflufs aus Europa nach Amerika hat völlig aufgehört,an seine Stelle ist seit Jahren ein sehr erheblicher Goldabflufsvon Amerika nach Europa getreten.
Aber dadurch ist die schwierige Situation, wie sie Anfangder 8oer Jahre bestand, nicht aus der Welt geschafft. Es fragtsich nun, wie sind die Goldwährungsländer über diese Zeit hin-weggekommen r Selbst der eingefleischteste Bimetallist wird zu-geben müssen: verhältnifsmäfsig sehr gut. Der Diskontsatz warzwar in allen Ländern etwas angespannt, nicht gerade sehr. InEngland stand er im Jahre 1882 eine Zeit lang auf 5 ,3 /ir> %■> ’ nDeutschland im selben Jahre auf 6 %. Der höchste Durch-schnittsdiskontsatz der in Frage stehenden Jahre war für England 4,12 %, für Deutschland 4,54 %, beides im Jahre 1882; und diesehohen Diskontsätze waren nicht durch die veränderte Edelmetall-bewegung zwischen der alten und neuen Welt allein hervor-gerufen, sondern in erster Linie durch eine der glänzendstenFinanzoperationen der Welt, die italienische Metallanleihe von644 Millionen Lire behufs Aufnahme der Baarzahlungen. Be-trächtlich über 400 Millionen Lire gingen in Gold ein, und dieseriesige Operation vollzog sich in der Zeit von 1881 bis 1883,also gerade in den Jahren, in welchen es um die europäische Goldversorgung am schlechtesten bestellt war, mit einer Leichtig-keit, die auf alles eher als auf Goldknappheit schliefsen liefs.Kam doch das Konsortium, welches die Anleihe übernommenhatte, bei der italienischen Regierung nachträglich darum ein,auch einen Tlieil der ursprünglich in silbernen Fünffrankenstückenbedungenen Summe in Gold liefern zu dürfen. Ich bin in derglücklichen Lage, mich auch hier wieder auf Arendt beziehenzu können. Er schrieb 1881 mit Bezug auf diese italienische