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sehen Eisenbahnen heute eine etwa zwanzigmal so grofse Strecken-länge haben, als 1860. Es wäre geradezu unbegreiflich,wenn dieser riesige Aufschwung in den Verkehrsver-hältnissen den Getreidebau und die Getreideausfuhrdieser Länder nicht enorm gesteigert und die Getreide-preise nicht aufserordentlich verbilligt hätte.
Wie stände es aber erst, wenn die Ausdehnung des indischenEisenbahnnetzes seit 1860 sich nicht nur verzwanzigfacht,sondern sich vielleicht verdreifsigfacht oder vervierzigfachthätte? Wäre dann nicht die den Anbau lohnende Fläche inIndien in demselben Grade mehr gewachsen, wäre dann nichtder indische Weizenexport in weit höherem Mafse gestiegen,wäre er nicht der europäischen Konkurrenz in noch ganz andererWeise als jetzt verderblich geworden? — Ich glaube, das gibtjedermann zu.
Wenn dem so ist, dann kann der europäische, ins-besondere der deutsche Getreideproduzent dem Himmelfür die indische Silberwährung und den Preisfall desSilbers nicht genug dankbar sein. Das klingt wie ein Para-doxon, aber es klingt nur so, weil von den Bimetallisten auchhier immer nur die eine Seite gezeigt wird, genau wie bei derHandelspolitik, weil es ihnen dadurch gelungen ist, Gebildetenund Ungebildeten, Landwirthen, Gelehrten und Politikern dieVerderblichkeit des Sinkens der indischen Valuta für die deutscheLandwirthschaft als unumstöfsliches Axiom zu suggeriren.
Hören wir, was ein englischer Bimetallist, der von dendeutschen Bimetallisten seit einiger Zeit fast vergötterte und über-all zitirte — meist mit einem sehr deutlichen politischen Seiten-blick auf das Centrum zitirte — Erzbischof Wal sh von Dublin über diesen Punkt sagt, allerdings ohne sich der Tragweite seinersehr richtigen Ausführungen für die europäische Landwirth-schaft bewufst zu werden.
In seiner Schrift «Bimetallismus und Monometallismus», über-setzt und herausgegeben von Wilhelm von Kardorff-Wabnitz ,heifst es S. 27 ff.:
«Hierzu kommt in Indien ein weiterer schwerer Nachtheil,der aus der gegenwärtigen Lage des Geldumlaufs hervorgeht. Esfolgt aus der heute bestehenden Verwirrung, dafs es für Indienunmöglich geworden ist, die Anleihen zu erhalten, welche für die