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Gegen den Währungs-Umsturz / von Karl Helfferich. Mit einem Vorw. von L. Bamberger
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die Gehälter und die .Arbeitslöhne. Im Gegcntheil, wennsich in den Arbeitslöhnen eine Bewegung vollzogen hat, so wares eine steigende. Aber die Beweiskraft dieser Thntsache istes, welche die Bimetallisten konsequent übersehen; und dochhätten sie hier eine Probe auf das Exempcl machen können.Alle haben sie Anfang der achtziger Jahre einen Rückgangder Arbeitslöhne vorausgesagt. Die Waarenpreise sinkendurch die gesteigerte Kaufkraft des Goldes, «eine allgemeineHandels- und Wirthschaftskrisis ist das Ende der Bewegung».Der Arbeiter sucht Arbeit und findet keine; er bietet sie zuniedrigeren Preisen an. «Das allgemeine Elend kann schliefslichauch politisch nicht ohne Wirkung bleiben, der Unzufriedene machtOpposition, der Hungernde wird zum Revolutionär.» (Arendt.)So prophezeit man.

Statt dessen erhielt der Arbeiter nominell einen gleichenoder gar höheren Lohn wie früher. Da die meisten Waarenpreisegesunken sind, erhielt er in Waaren ausgedrückt einen höherenLohn. Andererseits wird wohl allseitig zugegeben, dafs dieUnternehmergewinne gegen früher gesunken sind. Der An-gelpunkt der ganzen Entwicklung liegt also nicht in der Wäh-rungsfrage, sondern auf einem ganz anderen Gebiete. Pis hatsich eine Verschiebung auf dem Gebiete der Verkei-lung des Nationaleinkommens vollzogen, eine Bewe-gung zu Gunsten des Arbeiters, zu Ungunsten des Un-ternehmers; und daran ist nicht etwa eine Goldvertheue-rung schuld, sondern diese Verschiebung erklärt sich hinreichendaus dem gesteigerten Selbstbewufstsein des Arbeiter-standes, aus seinem gewachsenen Gefühle der Zusammen-gehörigkeit und aus seiner höheren geistigen und intel-lektuellen Bildung. Plätte die Goldwährung wirklich dieseEntwicklung begünstigt, so könnten wir ihr dankbar sein; siehätte dann ein grofses Stück kulturhistorischer Arbeitgethan. Wohin streben denn alle unsere sozialen Reformen: denArbeiterstand geistig und materiell zu heben; der An-theil des Arbeiters vom Gesammteinkommen kann abernur unter der Bedingung gröfser werden, dafs der An-tlieil des Unternehmers kleiner wird.

Nun zum Schlüsse die Wirkungen, welche auf diesem emi-nent sozialwirthschaftlichen Gebiet ein L T ebergang zum Bimetal -