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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
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geworden, welche die Prodnction der Welt so unendlich ver-mehrt hat; nur dadurch, daß die meisten Geschäfte mit Creditarbeiten, ist es möglich, daß solche, die von Haus aus wenigoder kein Kapital haben, sich aus ihrem Gewinn allmählicheins erwerben. Der Satz von der Feindseligkeit des Kapi-tals gegen die Arbeit findet in diesem einfachen Sachver-halt seine unmittelbarste Widerlegung.

Wenn nur diejenigen in Häusern wohnten, welche sichselbst ein Haus zu bauen die Mittel Hütten, so würde derbei weitem größte Theil der Menschen obdachlos umher-laufen. Die meisten Menschen wohnen auf Credit ; selbstwenn sie ausnahmsweise die Miethe vorauszahlen, wäredas Object selbst, die Wohnung, ihnen doch nur dargeliehen.Der Miethprcis, den sie entrichten, ist nur, wie auch derSprachgebrauch besagt, einZins" für das geliehene Ob-ject. Diese Forderung des Vcrmicthcrs an den Miether istnach jetzigen Gewohnheiten noch nicht dahin vervollkommnet,daß der Hauseigcnthümcr einen bei Verfall des Quartalszahlbaren Wechsel auf den Miether zieht. Warum? derHauseigcnthümcr verwendet die Einkünfte seines Grundstücksnicht dazu, wieder andere Häuser zu miethen rmd derenWohnungen von neuem zu vermiethcn, sondern zu seinempersönlichen langsamen Verbrauche, wenn nicht gar zur An-häufung. Hätte er das im Haus steckende Kapital zu einemthätigen Geschäftsbetrieb nöthig, so würde er dasselbenicht in einem Grundstück angelegt haben. Daran ist amdeutlichsten der Unterschied ersichtlich zwischen der Welt, diemit Credit arbeitet, und der, welche ihn entbehren kann.Der Hauscigcnthümer betreibt als solcher kein Geschäft miteinem Umschlag. Der einmalige Erwerb des Hauses genügt.