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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Unterscheidung sei ihr ganz gelungen. So geläufig auch derSchule die Begriffszcrlcgung von Geld im Gegensatz zuKapital ist (von Geld als dem bloßen Tauschwcrkzcug undKapital als dem angesammelten Vorrath aller übrigen Dingevon Werth), so fließen doch im Handel und Wandel diebeiden Sachen so unaufhörlich ineinander, gleiten vor demAuge des Beobachters so neckisch einander verfolgend undverwechselnd vorüber, daß auch die angestrengteste Nach-spürung oft nicht mehr feststellen kann, was auf Rechnungder einen, was auf Rechnung der andern zu stellen sei.Einen sehr schlagenden und interessanten Beitrag zu demGesagten liefert eine Stelle aus dem großen englischen Zeugcn-verhör (I-imiuata) über das Bankwesen vom Jahre 1857.Es waren nicht etwa haarspaltcndc Schulfüchse, die da ein-ander gegenüberstanden, sondern gewiegte praktische Männer,zugleich vertraut mit dem ganzen wissenschaftlichen Dcnk-proccß und dennoch bewandert, wie man es nur sein kann,in allen Gebieten des thätigen Lebens, besonders aber indem, auf welches es ankam. Der verhörte Zeuge war derlangjährige Chef eines der größten Bankhäuser der londonerCity, Joncs Loyd, unter dem Namen Lord Overstone insOberhaus berufen; der Fragende war der Schatzkanzlcr(Lllancollor ok Um Lxcliscznei). Es ist dieses Verhör einwahres Muster der Gattung, und da es gewiß noch vielschwerer ist, richtig zu fragen, als richtig zu antworten, somuß die Palme dem präsidirenden Kanzler zuerkannt wer-den. Das Frag- und Antwortspicl (Nr. 3744 fg. desProtokolls) jagt einander, gerade um, zur Erkenntniß derGeldkrisen, dem greifbaren Unterschiede zwischen Metall-und Kapitalmangel auf die Spur zu kommen. Der alte