DAS DORF OBER-SPEC1IBACH.
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Yon allen Seiten des Landes strömen die Leute mitihren Produkten, mit ihrem verkäuflichen Yieli heran; vonallen Theilen des Elsasses, aus Deutschland und Frankreich kommen fremde Handelsleute an, um da Einkäufe zu machen.
Eine geräumige Halle ist dem Kornhandel da geboten;ein grosser Platz erlaubt es, hier zu Tausenden die Thiereaufzuführen. Es herrscht da ein Gehen, ein Laufen, einWirrwarr der Rede und Antwort, ein Gemisch von Sprachenund Mundarten, ein Yorbeihuschen von verschiedenen undoft sehr charakteristischen Gestalten und Köpfen, wie manes selten zu sehen Gelegenheit findet.
Yom gutmüthigen Bauer bis zum ekelhaften, ver-schmitzten polnischen Juden sind hier alle Markttypen ver"treten, wie wir gewohnt sind, sie auf den berühmten Ge-mälden und Illustrationen, die diesen Gegenstand darstellen,zu finden.
Etwas weiter sitzen die Bauernfrauen und Landmädchenmit ihren Körben zu Markte, und in zahlreichen Budenwird Alles feil geboten, was bäuerliche Haushaltungen nöthighaben. Hier herrscht überall ein Markten und Feilschen,das dem Beobachter und Zuhörer oft die Lachmuskeln be-wegt. Dies der Altkircher Jahrmarkt.
Nach Mühlhausen und Thann ist es auch nicht weit;nach allen Seiten hin erstreckt sicli das Absatzgebiet.
Nur ist es zu beklagen, dass die Zwischenhändler unddie jüdischen Yiehmäkler die Märkte doch allzusehr be-herrschen; durch ihre Coalitionen machen sie die Waaren-und Yiehpreise.
Und diesem Uebelstunde ist eben schwer abzuhelfen;wir leben einmal heute nicht mehr in der Zeit, wo der Kon-sument und der Produzent auf dem Markte sich gegenüber-stehen. Der Konsument kann, verschiedener Ursachen halber,nicht mehr selbst auf den Markt kommen. Geld und Zeitfehlen ihm hierzu.
Die hiesigen Verkehrsmittel sind ausgezeichnete. Guterhaltene und zahlreiche Strassen bilden ein maschenreichesNetz um Ober-Spechbach herum.