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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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II. ABSCHNITT.

kommen noch weit kleinere Parzellen vor. Parzellen von2 ar sind keine Seltenheit. Besonders klein sind aber dieParzellen in den besseren Lagen. Da jeder Hauswirth sicheine Ehre daraus macht, aus der besten Lago ein mehr oderweniger grosses Fass Wein zu haben, so werden bei Erb-theilungen diese liebstücke in so viele Theile gestückelt, alsErben da sind.

Auf den Aeckern sinkt die Parzelle selten unter 10 a,und sie bleibt desto grösser, je schlechter die Lage und jeweiter die Entfernung des Dorfes.

In den Reben hat die Parzellirung keine so ÜbelnFolgen, weil einestheils der Maschinenbau nicht möglich, undweil anderntheils das Feldwegnetz der Gemarkung auf denRebhügeln sehr ausgebildet ist.

Bei weitem die grösste Zahl der Besitzungen (312) hatnicht einmal 1 ha Grundbesitz.

Diese Zwcrgwirthschaften haben dann oft nicht einmal dienöthigen Räume zur Kelterung und Aufbewahrung ihrerWeinlese. Sie keltern auf der Presse ihres Arbeitsgebers,verkaufen in vielen Fällen den Wein von der Trotte (Kelter)oder legen ihn beim Arbeitgeber ein, bis sie ihn verkaufen.

Diese grosse Besitzvertheilung, sowie die daraus ent-standene Parzellirung, im "Vereine mit dem schönen Ertrageder Reben zu Geberschweier bringen eine grosse Kauflusteinerseits hervor, und anderseits machen sie, dass immer nurwenig Güter feilgeboten sind.

Wir haben nach notariellen Verkaufsprotokollen von18721883 Preisberechnungen angestellt, welche zeigen, dassdie Güterpreise hier nicht abgeschlagen haben. Der Mittel-preis für den Hektar Reben beträgt für diese Periode9 747,89 Mk.

Aus der Kleinheit der Güter geht schon hervor, dassalle Eigenthümer dieselben selbst bewirthschaften , ja sogar,dass die Meisten dieselben mit eignen Kräften bebauen können,und nur, wenn äussere Umstände die Arbeiten dringendmachen, zur Heranziehung von fremden Arbeitskräften ge-nöthigt sind. Die Pacht kommt gar nicht vor.

Alle Haushaltungen, welche weniger als 2 ha besitzen,