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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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DAS DORF HÜTTENHEIM.

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von Seiten der Arbeitgeber laute und oft berechtigte Klagen,sowie auch von Seiten des Gesindes und der Arbeiter überihre Herrschaften.

Gewiss sind nicht alle Klagen dieser Leute unbe-gründet; im Allgemeinen findet man aber hier in Hüttenheimnoch sehr angenehme, freundschaftliche Beziehungen beiderTheile zu einander. Diese Beziehungen kann ich nicht besserschildern, als durch die Worte der Bauern selbst, indem ichihr Urtheil hierüber, wie ich es im Fragebogen des KreisesErstein finde, wörtlich anführe. Hier sagte man mir das-selbe:Die erleichterten Yerkehrsbeziehungen mit den grossenStädten und die Entwicklung der Industrie haben die Be-dürfnisse des gewöhnlichen Lebens auf dem Lande gesteigertund die Genusssucht der Arbeiter befördert; das patriarchia-lische Yerhältniss zwischen Herr und Knecht ist nur nochselten zu finden, woran übrigens beide Theile die Schuldtragen dürften. Das förmliche Yertragsverhältniss tritt inden Yordergrund. Folge davon ist, dass die Dienstbotenvielfach nicht das Interesse ihres Herrn, sondern nur nochdas eigene Interesse im Auge haben. Die Religionslosigkeithat zugenommen; in Folge davon schwindet auch der Glaubenan den Werth der christlichen Moral.

Man beklagt es, dass nicht mehr Kinder aus wohl-habenden Bauernfamilien in Dienstbotenverhältnisse treten.Dass aber eine gute Familie, welche auf die Ehre undTugendhaftigkeit ihrer Kinder hält, diese vom Eingehen einesGesindevertrags abhält, erklärt sich durch das Seilwindendes patriarchalischen Verhältnisses.

REKAPITULATION.

Wie wir schon mittheilten, ist die Rentabilität derGüter hier stark gesunken. Darüber geben Aufschluss diebereits mitgetheilten Zahlen, sowie auch einige Rentabilitäts-berechnungen, welche in den Anlagen sich befinden.

Zum Schluss will ich hier rekapitulirend noch die ver-schiedenen Gründe angeben, welche daran Schuld sein können.Es sind dies:

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