DAS DORF HUTTENHEIM.
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konnte nicht ausbloibcn, dass dasselbe einen mächtigen Auf-schwung nahm, solange das Unternehmen gedieh. Und dazuwaren ja die günstigsten Bedingungen in Hüttenheim vor-handen. Billige und kolossale Wasserkraft durch die 111,billige Arbeitslöhne, wie sie damals überall bestanden, unddann sehr kleine Konkurrenz von Arbeitgebern, welche dieLöhne hätten merklich vertheuern können; und ferner hatteauch die Fabrik als solche noch wenig Konkurrenten in derProduktion; war doch die Baumwollenindustrie noch imWerden begriffen.
Für den Arbeiter selbst bot Hüttenheim viele Annehm-keiten dar, welche eine Stadt oder ein Dorf im Thale ,wo der Ackerbau nicht so ergiebig ist als hier, nichtdarbieten konnten, nämlich billige Lebensmittel, ausserhalbder Fabrikräume gesunde Luft, daher gesunde Wohnungen,und auch für den sparsamen Arbeiter die Gelegenheit, seineErsparnisse in Grundgütern anzulegen.
Hervorzuheben ist hier der Umstand, dass nicht dasVorhandensein einer häuslichen Weberindustrie im Dorfeund in der Umgegend die Errichtung und Gründung derhiesigen Fabrik verursachte, sondern die Thatsache des Vor-handenseins eines angemessenen Anwesens, welches leicht zueiner Fabrikanlage benutzt werden konnte.
Anfangs glaubte ich selbst, dass eine Hausindustrie derKeim gewesen sei, aber unsere Untersuchungen Hessen unsvor der Gründung der Fabrik keiner wichtigen Hauswebereiin Hüttenheim begegnen.
Dass aber die Arbeiter nicht in Ilüttenheim zu findenwaren — es zählte damals nur 1180 Einwohner — wirdJedermann begreiflich erscheinen, und daraus erklärt sichauch die rasche Bevölkerungszunahme Hüttenheims seitGründung dieses so lohnenden Unternehmens.
An der Bevölkerungsbewegung kann man jede Be-wegung der Industrie wieder erkennen.
Während die Zählperioden, welche der Gründungvorangehen, jedesmal einen Abzug von Bevölkerung kund-geben, so weist schon die Periode 1822—26 einen Zuzugauf und zwar offenbar von Leuten, welche durch die Aus-