DIE CITY UND DIE GETUEIDEIIANDELSPOLITIK.
53
Handels unter doppeltem Gesichtspunkte gegenüber. Rein com-merciell betrachtet konnte es ihnen gleichgültig sein, oh derGetreidehandel in der Einfuhr oder Ausfuhr von Getreide be-stand, wenn nur überhaupt Getreidehandel stattfand. Ja siewaren vielleicht auch aus commerciellen Gesichtspunkten eherfür eine Ausfuhrprämie geneigt, weil sie auch in billigen Jahreneinen Getreidehandel durch Begünstigung der Ausfuhr aus denLondon umgebenden Grafschaften ermöglichte. Zu diesem com-merciellen Interesse kam aber noch ein anderes, welches siemit den Interessen der an der Ausfuhr interessirten Gross-grundbesitzer noch für lange verband.
In politischer Beziehung war nämlich die damalige Lagevon London die folgende :
Bereits Macaulay hat dargelegt, wie London damals aufdie Geschicke von England einen Einfluss ausübte, wie im10. Jahrhundert Paris auf die Geschicke von Frankreich . Esthat. dies nicht blos vermöge seiner grossen Bevölkerung, dieein Zehntel der des Landes betrug, noch auch blos in Folgeder Zahl der Vertreter, die es ins Parlament sandte, da diesegering war, auch nicht blos in Folge seiner Eigenschaft alsResidenz des Königs. Es übte seinen Einfluss ähnlich dem, dender Kapitalist auf den Darlehensbedürftigen ausübt. Es be-herrschte die Börse, es beherrschte die Vorräthe an Edelmetall.Unzählige Male hatte es den Königen aus Geldverlegenheitengeholfen; oft hatte es durch Verweigerung von Darlehen dieseVerlegenheiten unsäglich vermehrt. Mit Recht sagt Macaulay : 1»eine Regierung, welche London Unterstützung und Zutrauenschenkte, konnte in einem Tage Geldmittel bekommen, zuderen Einsammlung aus dem übrigen Theile der Insel esMonate bedurft haben würde. » Mit, dieser Macht hatte sich dieStadt in dem Streit zwischen Parlament und Krone auf dieSeite des ersteren gestellt. Seine stolzen Bürger hassten dietoryistische Gentry, wie sie von ihr gehasst wurden. Und alsdie letzten Stuarts der Stadt, um sie, für ihre unverbesserlichwhigist.ische Gesinnung zu strafen, ihre allen Freiheitsbriefe
1 Macaulay II p. 94