130 EINBRINGUNG DES AUSFUIIRPRÄMIENGESETZES.
mehr und mehr genommen, sowie die weiteren Wünsche,welche, wie gezeigt, die englischen Grundbesitzer beseelten, somuss zugegeben werden, dass ein geschickterer Zug nichtgeschehen konnte.
Ein ernsthafter Interessengegensatz hinsichtlich der Getreide-handelspolitik, welcher gegen die Massregel gesprochen hätte,war um 1689 noch nicht in England vorhanden. Thatsächlichwar, wie wir sahen, für die grosse Anzahl der Grundbesitzer,Pächter, Bauern und Städter, nämlich für Alle, welche nichtin den südlichen Grafschaften oder in der Nähe der See wohnten,die auswärtige Getreidehandelspolitik sogar gleichgültig; dennwegen der Mangelhaftigkeit der Verkehrsmittel wurden sie wedervon Einfuhr- noch von Ausfuhr-Begünstigungen oder Erschwe-rungen getroffen. Durch die Getreidehandelspolitik wirklichberührt wurden zunächst nur erst die Grossgrundbesitzer undPächter in den London umgebenden und an Wasserstrassen,vor Allem an der See gelegenen Grafschaften, sowie die fürdas ganze politische Leben äusserst wichtige Stadt London . InLondon allerdings gab es bereits Gewerbtreibende, welche einInteresse hatten an Einfuhrfreiheit und Ausfuhrverboten. Alleinihre Zahl war noch vergleichsweise gering und ihre Bedeutungganz unerheblich. London war sowohl wirtschaftlich als auchpolitisch noch eine rein eommercielle Stadt. Das commercielleInteresse von London aber ging nur dahin, dass überhauptGetreidehandel stattfand, einerlei ob Getreide-Einfuhr oder-Ausfuhr; eher dass es bei Ausfuhrbegünstigungen noch mehrseine Rechnung fand. 1 Vor Allem aber ging das wirtschaft-liche und politische Interesse der massgebenden londonerGrosskaufleute dahin, jede ihren commerciellen Interessen nichtdirekt, widersprechende Massregel zu begünstigen, welche dieRegierung des Königs, in welche sie so viel Kapital gesteckthatten, zu festigen versprach. Und dies versprach das Ausfuhr-prämiengeselz. Denn kam dasselbe unmittelbar auch nur erst,der oben hezeicbliefen beschränkten Zahl von Grossgrundbesitzern
1 Vgl. oben p. 53; ferner A. Smith, Wealth of NationsIV. Buch; öKapitel. Ausgabe von Macculloch, Edinburg 1863 p. 228.