Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^62

ist es allerdings nur eine von Haus zu Haus an demselben Orte. Die räumlicheVeränderung kann natürlich auch erfolgen ohne Verkauf, ohne Übertragung des Eigen-tums auf andere Personen. Besonders große Geschäfte, Korporationen, Staats-verwaltungen vollziehen große örtliche Veränderungen in der Disposition ihrer wirtschaft-lichen Güter ohne privatrechtliche Güterübertragung. Allein der größere Teil des Ver-kehrs im engeren Sinn ist doch verbunden mit Handelsgeschäften, mit rechtlichen Güter-übcrtragungen. In der älteren Zeit lag das Transportgeschäft meist zugleich in derHand der Waren verkaufenden Kaufleute; heute ist der Warenhandel und das Trans-portgeschäft meist getrennt (vergl. oben § 115 S. 3356). Zum Ein- und Verkaufs-geschäft kommt der besondere Transportvertrag.

Die Ursache alles Verkehrs und alles Handels liegt in der Verschiedenheit dernatürlichen Schätze der Erde, in der Verschiedenheit der Menschen und ihrer Bedürfnisseund in der Arbeitsteilung. Wir haben hier davon nicht weiter zu reden; das Nötige istim ersten Teile gesagt. Was wir hier zuerst uns klar zu machen haben, ist die Be-deutung, welche Verkehr und Handel historisch nach und nach für das volkswirtschaft-liche Leben gewonnen haben. Wir müssen uns ein Bild von der Umwandlung derVolkswirtschaft von der Epoche der Eigenwirtschaft an bis zur heutigen Verkehrswirt-schaft machen. Das thun wir am besten, wenn wir zunächst äußerlich die Verkehrs-entwickelung schildern, welche im ganzen zugleich Handelsentwickelung ist, dabei aberals Maßstab in erster Linie die Ausbildung der Transportmittel und -Anstalten ver-wenden.

149. Die technisch-historischen Thatsachen des Verkehrs. Dieältere Zeit. Man wird die Thatsachen am besten überblicken, wenn man sie in dreiEpochen scheidet, die ich summarisch so bezeichnen möchte: s,) die älteste Epoche deszufälligen primitiven Nachbarverkehrs, d) die des bescheidenen aber regelmäßigen Lokal-Verkehrs und c) die des großen Verkehrs, welcher ebenso die Nachbarn und Volksgenossenwie die Völker- und Weltteile verbindet.

a.) Wie es keine pfadlofen Länder giebt, so kennen wir keine Menschen undStämme ohne Anfänge von Handel und Verkehr. Schon in den ältesten Zeiten deruns bekannten Menschheit wanderten durchbohrte Steine, Schmucksachen, Metallwerk-zeugc und -Waffen Hunderte von Meilen, von Stamm zu Stamm. Noch heute findetin Afrika zwischen den rohesten Stämmen an der Grenze ein sprachloser Handel statt,wo einzelne Häuptlinge tauschen. Aber auch wo einige Hausierer kühn in fremdeGebiete eindringen, bleibt dieser Verkehr etwas Zufälliges, oft für lange wieder Unter-brochenes; er berührt meist nur wenige Höherstehende, liefert auch ihnen nur ein paarProzente ihres Gefamtbedarfs. Denn im ganzen fertigen in dieser Wirtschastsepochedie Individuen, die Gentes, die Familien, die Stämme so ziemlich alles, was siebrauchen; die Eigenwirtschaft herrscht. Die Individuen und die kleinen Gruppen sindauf sich angewiesen. Es giebt in solcher Zeit keine gebahnten Wege, keine Schiffe, keineKarren. Mühselig schleppt der Lastträger 30 Kilogramm täglich 1030 Kilometerweit. Ein barbarisches Völker- und Fremdenrccht hemmt vielfach die lebendige Be-rührung der Stämme. Innerhalb der Stämme hindert die Gleichheit der Menschenden Austausch. Unendlich lange Zeiträume hindurch hat ein solcher geringer Verkehrgedauert. Bei den niedrigen Rassen ist er noch heute aus dieser Stufe. BarbarischeKultur, roheste Technik, kümmerliche Versorgung, vielfach Hunger und Elend sind dieBegleiterscheinung dieser Verkehrsstufe.

b) Wenn dann mit dem Ackerbau, den städtischen Märkten, den Anfängen vonGewerbe und Geldwesen der Verkehr wächst, wenn zumal an den Seeküsten, an dengünstigsten Punkten der Ströme Handelsvölker und Handelsstädte erblühen, so ist dochim Altertum und auch in der neueren Zeit bis vor 12 Jahrhunderten der Verkehrein im ganzen beschränkter geblieben: die Stadt kauft von ihrer ländlichen UmgebungLebensmittel, Vieh und Holz gegen einige Gewerbeprodukte; auf weitere Entfernungengehen nur wenige leicht transportable Waren, wie Salz, Spezereien, feine Gewebe,Mctallwaren, Edelsteine, Gewürze; es giebt noch keinen Masscnverkehr. Die Wege