Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

403)

Ältester Verkehr und stadtwirtschaftlicher Lokalverkehr.

5

bleiben schlecht und unvollkommen; man reist überwiegend zu Fuß oder zu Pferde.Der Transport auf Schubkarren und Wagen ist für Holz, Getreide und andere schwereWaren nur auf Entfernungen von 1050 Kilometer möglich. Die Meere, die großenStröme bleiben lange eher Verkehrshindernisse, als Bindemittel. Der Schiffsbau bleibtlange unvollkommen; die Schiffe sind klein, durch Ruder nur mit hohen Kosten zu be-wegen; man wagt nur an der Küste und im Sommer zu sahren; man versteht die Segel-stellung und -Behandlung noch nicht recht. Immer werden da und dort neben denSchiffen mit 1 und 2, mit 1050 auch schon solche mit 100200 Tonnen 0 1000Kilogramm) Ladefähigkeit gebaut. Sie sind das erste Transportmittel für etwasgrößeren Verkehr. Soweit er sich entwickelt, soweit er größere Entfernungen bewältigt,zerfällt der Handel meist in eine Summe kleiner Stationen, an deren jeder die Warenumgeladen und in andere Hand gegeben werden. Die kleinen Gebiete mit verschiedenerSprache und Verfassung, durch Handelsneid, Zölle, Stapelrecht getrennt, erschwerenallen glatten Verkehr in die Ferne. Das Handel und Verkehr sich widmende Personalwird von Handelsstädten abgesehen im ganzen meist nicht über 35 Prozentder Bevölkerung ausgemacht haben, während es heute bis zu 1113, in Handels-städten auf 30 und mehr Prozent gestiegen ist.

Im ganzen herrscht auch in dieser Epoche noch die alte Eigenwirtschaft vor; derVerkehr auf weitere Entfernung wird auch in dieser ganzen Epoche nicht über einigeProzente aller wirtschaftlichen Güter, der örtliche und der zwischen Stadt undLand nicht leicht über 1030 Prozent derselben erfaßt haben. Der erstere, derFernverkehr, bleibt unsicher, zufällig, arbeitet mit Verkehrsmitteln, die immer leichtversagen, er liegt noch überwiegend in den Händen der reisenden Kaufleute felbst; soweitTransportgeschäste (Schiffer, Frachtfuhrleute, Pferde-, Kamelvermieter) entstehen, sindsie klein, ost bloße Nebenbeschäftigung. Der letztere, der Lokalverkehr, hat sich zu einergewissen Stetigkeit entwickelt, aber er konnte dies nur, weil er im ganzen reiner Lokal-verkehr zwischen Menschen blieb, die stets in einem Tage sich aussuchen und wiederheimkehren können. Dieser ganze Lokalverkehr spielt sich noch überwiegend zwischenProduzenten und Konsumenten, zwischen dem Landmann und dem städtischen Handwerker,Brauer, Krämer und Kaufmann ab. Der Fernverkehr brauchte um so mehr und umso kompliziertere Mittelglieder, war auch deshalb notwendig sehr teuer; wo er nichtGewinne von 50, 100 und mehr Prozent in Aussicht stellte, konnte er wegen seinerGefahren und Mühen sich nicht ausbilden. Den an bevorzugter Stelle stehenden Groß-kaufleuten und Reedern gab er dementsprechend um so größeren Vorteil; sie wurden115 S. 3345) in der Heimat und in der von ihnen beherrschten Fremde oftmalszur maßgebenden Aristokratie, ja zu Häuptlingen und Fürsten .

o) Die dritte Epoche des großen sowohl inneren als internationalen Verkehrs hatin vereinzelten Ansätzen schon vor Jahrtausenden eingesetzt, siegreich durchgerungen istsie nach den starken Anläufen von 14001800 erst im letzten Jahrhundert. Die älterenAnsätze beruhen auf dem großen Wasserverkehr und auf dem großen Straßenbau, wieihn einzelne stark organisierte Staaten, hauptsächlich die Römer, auch srüher die Chinesen,einzelne arabische Reiche, das Jnkareich in Peru ausbildeten. Wir werfen auf diesealten Ansätze des Großverkehrs einen kurzen Blick.

Die wenigen Insel- und Küstenvölker, welche Handel und Schiffahrt srüh erlernten,teilweise dasür den Innen- und Landverkehr vernachlässigten, waren 4000 Jahre v. Chr.bis 1800 n. Chr. eben hierdurch die Pfadfinder des volkswirtschaftlichen Fortfchritts,die reichen kapitalkräftigen Völker. Die Phöniker, die Griechen wie die Römer scheinenschon Schiffe gehabt zu haben, welche 5600 Menschen, 7800 Tonnen faßten, bis zu28 Meilen (215 Kilometer) (Götz) im Tage zurücklegten. Vereinzelte Gebiete hatten auchfrüher durch,, Pflege der Fluß- und Kanalschiffahrt einen etwas entwickelteren Jnnen-verkehr, so Ägypten und die Euphratländer im Altertum, dann China, Spanien, Nord-italien , die Nieder- und Rheinlande im Mittelalter. Im übrigen war die Flußschiffahrtmeist lange eine kümmerliche, durch schlechte Beschaffenheit der Flußbette, durch Wehreund Stauungen, Zölle und anderes gehemmte. Einen etwas besseren Landverkehr konnten