Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Organisation^und Verkehrsleistung der Eisenbahnen.

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gesamten Aus- und Einfuhr der Staaten mit Handelsstatistik wird man (nach berechnetenSchätzungen von mir, Mulhall, Juraschek, Nauticus) etwa so angeben können:

1700 0,5 Milliarden Mark 1860 30 Milliarden Mark

1750 1,0 1870 45

1800 6 ., ,. 1880 60

1850 17 ,. 1899 76

Da alle Waren sowohl in der Aus- als Einsuhr vorkommen, oft vom erstenEmpfangsland noch zu einem zweiten und dritten gehen, dürfte ihr Wert etwa ein Drittelbis zur Hälfte dieser Zahlen betragen. Die Proportion der Zunahme (in 200 Jahren1 :152) bleibt diefelbe. Der innere Verkehr ist wahrscheinlich noch viel mehr gestiegen;Knies meinte schon 1853: der Nahverkehr zwischen den Nächstliegenden Orten fei derstärkste und einträglichste. Aber wie wäre er zu fassen, wer hätte ihn 1700 oder 1800oder 1850 summiert? Wer wollte die Frachtwagen- und Kahnbeladung älterer Zeitvergleichen mit der der Bahnen und Schiffe der Gegenwart? Aus der letzten Generationsei folgendes angeführt. Es wurden zurückgelegt:

auf deutschen Eisenbahnen auf österreichischen Eisenbahnen

Mill. Personen- Mill. Tonnen- Mill. Personen- Mill. Tonnen-

kilometer, kilometcr. kilometer. kilometer.

(d. h. die Multiplikation der Personen und Tonnen mit der durchfahrenen Kilometerzahl.)

1868 3 212 5 042 1861 802 1 128

187980 6148 12 224 1881 2 030 5 021

1398 17 554 32 579 1897 6 008 12 462.

Aus den französischen Bahnen wurden 1888 10 409, auf den französischen Land-straßen (nach Schätzungen) 6000 Millionen Tonnen-Kilometer bewegt. Von der deutschenGetreideernte von 19,9 Millionen Tonnen (1898) gingen 10,8 über die Eisenbahnen.

Kohlen, Holz, Eisen und Erze, Getreide machen heute die Hauptmasse des Verkehrsaus; mit ihrer Beförderung entstand vor allem jener Massenverkehr, der die Gegenwartvon der Vergangenheit unterscheidet, der unsere Schiffe und Eisenbahnen füllt, derunsere Handels- und Verkehrsstatistik anschwellen läßt. 1897 waren unter 220 791Millionen Tonnen beförderter Güter in Deutfchland 94 674 Stein- und Braunkohle.Das vereinigte Königreich Großbritannien und Irland bezog an fremdem Weizen176680 0,022, 183646 0,2, 1867 1,95, 189094 67 Millionen Tonnen.Der Massenverkehr der heutigen Weltwirtschaft ermöglicht ganzen Völkern, überwiegendvon fremden Nahrungsmitteln zu leben; eine im ganzen gesicherte Ausgleichung derErnten, der Vorräte, der Preisbildung ist so erreicht, wenn auch die Hauptausfuhr- unddie Haupteinfuhrländer damit gewissen neuen Mißständen ausgesetzt sind. Allergesteigerte Verkehr macht die Volkswirtschaft komplizierter, fetzt sie leichter Krisen undVerkehrsstockungen aus; alle Verkchrserleichterung bringt stärkere Konkurrenz, verbilligtdie Waren um die verbilligten Transportkosten, bedroht aber auch ganze Industrien,fowie den Ackerbau ganzer Länder in feinem bisherigen Bestände, erniedrigt die Werteder fixen Kapitalien. Schwere Übergangszeiten können fo entstehen. Aber auf die Dauerüberwiegt doch der Vorteil für die Gesamtheit.

Was mit der heutigen Organisation des Verkehrs, feinem Großbetrieb, feinerstaatlichen Kontrollierung und Ausführung erreicht ist, läßt sich in die Worte zusammen-fassen: große Regelmäßigkeit und Sicherheit, außerordentliche Beschleunigung undVerbilligung, Ausdehnung aus die schweren Güter, Abkürzung aller Entfernungen,Umwandlung der menschlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, wie sie früher für dieOrtsnachbarn bestanden, für Hunderttausende und Millionen. Nur nach einigen Seitenhin fei das noch mit ein paar Bemerkungen näher erläutert.

Die Kosten des früheren Landverkehrs pro Tonne und Kilometer haben wirvorhin angeführt; wir können sie auf 2080 Pfennige für Mitteleuropa und feine