Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Älteste Markteinrichtung. Scheidung der Marktarten.

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Aus all' diesen Ursachen wird es erklärlich, daß Jahrtausende und Jahrhundertelang das Marktwesen und seine konventionelle Ordnung die Verkehrsseite der Volks-wirtschaft beherrschte. Es wird mit diesen Bemerkungen über die Formen alles be-deutenderen älteren Handelsverkehrs aber auch ein ganz allgemeines Princip deutlichbewiesen: nämlich, daß aller Handel und Verkehr zwar von den Individuen, ihrenBedürfnissen, bald auch von ihrem Erwerbstrieb ausgeht, aber eine staatlich geordneteGesellschaft und gesellschaftliche Institutionen voraussetzt. Aller Handel ist gesellschaft-liche Berührung mehrerer; er kann nur gedeihen, wo eine Mehrzahl von Verkäufernund Käufern in regelmäßige Berührung kommt. Es sind von Anfang an Volks-genossen und Fremde, Mächtige und Schwache, sie kommen unter gesellschaftlichem Frieden,unter bestimmtem Schutz, unter öffentlichen Ordnungen zusammen. Ihr Geschäft ge-deiht nur unter dem Lichte der Öffentlichkeit, unter Ausschluß von Gewalt und Betrug,unter der gesellschaftlichen Ordnung des Marktwesens, des Maß-, Gewichts- und Münz-wesens, unter einer Kontrolle, welche Personen und Waren prüft, sie bald zuläßt, baldausschließt. Nie können deshalb auf irgend einem Markte bloß egoistische Triebe, bloßGewinnabsichten walten; gesellschaftliche Instinkte und Rücksichten, Sitten und Ordnungenniüssen sie irgendwie einschränken, und zwar um so mehr, je verschiedener die Menschenauf dem Markte sind, je mehr sie nicht Verwandte und Nachbarn, sondern nur desGeschäfts wegen zusammenkommende Personen sind.

Werfen wir jetzt einen Blick auf die Art, wie in der zweiten und dritten unsererVerkehrsepochen das Marktwesen sich im einzelnen gestaltet und differenziert hat.

153. DieDisserenzierung der älteren Märkte. Die ältesten Märkte derKulturvölker waren meist die jährlich ein- bis dreimal gehaltenen; in der christlichenZeit liegen sie häufig zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Die tria tora, gehen dentiidus plaeitis, den drei ordentlichen Gerichtsversammlungen parallel. Viele dieserMärkte sind älter als alle Städtcbildung und haben lange existiert, ohne Städte zuerzeugen. Noch heute giebt es solche Märkte in Afrika und Asien , wo jährlich Tausendevorübergehend zusammenkommen, und nach Ablauf des Marktes kaum ein paar Menschenam Orte zu treffen sind. Wo aber gerade durch denJahrmarkt" neben der bischöf-lichen Kirche, dem fürstlichen Fronhof, dem Kloster sich ein größerer Ort bildete, daentstand in Deutschland seit Ende des 10. Jahrhunderts, hauptsächlich aber im 12.14.,neben dem torum anuualk das septimanalö oder nedclom!MZ.1s; die Landleute der Um-gegend kamen nun jede Woche ein- oder zweimal zu Markte und tauschten da mitKausleuten und Handwerkern. Und daraus entstand mit der Zeit der tägliche Markt,d. h. die gewerblichen Meister, die Höker und die Kaufleute begannen nun täglich zuverkaufen, wenn auch das Hauptgeschäft nur einmal in der Woche in Anwesenheit derBauern und Ritter der Umgegend stattfand.

So haben wir vom 13. Jahrhundert an den Jahrmarkt für die weitere Umgegendund die fremden Händler, den Wochenmarkt für die nächste Umgebung, den täglichenMarkt für die Stadtbewohner. Und die Differenzierung geht noch weiter: in dengrößeren Orten sucht man einzelnen Jahrmärkten durch besondere Privilegien und Ein-richtungen eine erhöhte Bedeutung zu geben; sie werden als nunäinae universales, alsMessen bezeichnet, dauern 814 Tage, wollen die Kaufleute von weiter heranziehen. DieBezeichnungMesse" knüpft an das Wort an: missa. est soelesig,, womit der Priester diegeistliche Handlung schloß. Sie erhalten hauptsächlich vom späteren Mittelaltcr an bis ins19. Jahrhundert eine große Bedeutung als Ccntralpunkte des Warenumsatzes im großenzwischen den Händlern verschiedener Gegenden und Länder und als Stationen undMittelpunkte des Zahlungs- und Kreditgeschäftes. Die Messen der Champagne sinddie ersten ganz großen Messen dieser Art, ihr folgen die von Genf , dann sind inFrankreich die von Paris, Lyon und Besan?on, in Spanien die von Medina del Campo von Bedeutung; in Italien sind später die von Piacenza und Sinigaglia, in Deutsch-land die von Gozen, Frankfurt a. M., Leipzig , Frankfurt a. O. berühmt geworden;in Rußland blüht heute noch die von Nishnij-Nowgorod.

Die Ordnung dieser verschiedenen Marktarten knüpft an dieselben äußeren Ein-

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