24 Drittes Buch, Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung, s4ZI
Neben dem Warengeschäft war die Ausbildung des Zahlungs- undKreditgeschäfts so wichtig, daß es für einzelne Messen frühe zur Hauptsachewurde. Je mehr feine Manufakte und Gewürze von Land zu Land gingen, der Kreditsich ausbildete, Zahlungen auf große Entfernungen zu machen waren, desto stärkermußten Geld und Kredit an dem Cirkulationsprozcß sich beteiligen. Und doch hattejeder Ort und jedes Land anderes, viele hatten schlechtes Geld, eine nationale oder garinternationale Post für den Geldverkehr gab es noch nicht. So war die persönlicheZusammenkunft der Kaufleute verschiedener Gegenden und Länder auf den Messen dieeinzige oder Hauptgelegenheit, die Zahlungen von Ort zu Ort abzumachen. Häufigzahlte der schwächere Käufer dem Großhändler auf der folgenden Messe, was er indieser gekauft. Der Kaufmann, der nicht selbst zur Messe zog, beauftragte einenGeschäftsfreund, für ihn zu zahlen oder Schulden einzuziehen. Die Geldwechsler, dieursprünglich wesentlich den Handwechsel, das Umwechseln verschiedener Münzen mitGewinn getrieben, übernahmen nun noch mehr solche Austräge. Die italienischen Geld-wechsler besuchten die nordischen Messen, sandten ihre Vertreter überall hin, gründetenFilialen und besorgten deren Aufträge auf den Messen. Der Wechsel ist dadurch ent-standen, daß Kaufleute oder Geldwechsler von solchen, die Zahlungen an anderen Orten,hauptsächlich sür die Meßzeit zu machen hatten, das Geld am Orte des Schuldnersheute von ihm nahmen und nach einigen Monaten dieselbe Summe in der Münze desanderen Ortes an den Bezugsberechtigten zahlten; sie gaben, da sie so einige Monatedas Geld in Händen hatten und nutzen konnten, etwas mehr, als sie später zahlten,einen Zins, Diskontosatz; sie nahmen ein Darlehen und zahlten es am anderen Ort, inanderer Münze zurück. Die Wucherdoktrin, welche die Zinsen verbot, wagte hier dieZinsen nicht anzutasten, da sie gleichsam für den Münz - und Ortswechsel gezahlt waren.Alle größeren interlokalen Zahlungen wurden auf die Messen und ihre Zahltage gestellt.Eine seste Ordnung sür die am Wechselverkehr Teilnehmenden trat ein; die Anerkennungder Wechsel und Zahlungsverbindlichkeiten, die Folgen der Nichtanerkennung, der Nicht-zahlung und der Protest wurden normiert; die Art der gegenseitigen Ausgleichung, dieetwa nötige Exekution wurde geregelt. Die heutige sormale Natur des Wechsels bildetesich so im Zusammenhang mit diesen Einrichtungen aus. Wir kommen unten darauf zurück.Millionen konnten hierdurch schon im 16. und 17. Jahrhundert ohne Barzahlung durchAusgleichung von Wechseln abgemacht werden. Der Geld- und Wechselumsatz auf einerQuartalmesse zu Piacenza wurde zu Anfang des 17. Jahrhunderts auf 16 Mill. Dukatengeschätzt. Die zahlreichen Geldgeschäfte Antwerpens gegen 1550 giebt Ehrcnberg auf40 Mill. an. —
So war — um das Ergebnis des älteren Marktwesens zusammenzufassen — überallin jener Zeit der größte Teil des Waren-, Geld- und Kreditverkehrs auf bestimmteOrte und Zeiten konzentriert, gebunden an ein persönliches Begegnen. Noch waren diemeisten wirtschaftlichen Güter und Leistungen nicht in den Cirkulationsprozeß hinein-gezogen, und von denen, bei welchen das der Fall, legte der weitaus größte Teil nurden kurzen Weg von der Umgegend der Stadt nach dem städtischen Markt oder um-gekehrt zurück, der kleinste Teil bewegte sich bis zu den Jahrmärkten und Messen.Der ganze Güter- und Geldumlauf war in wenige klare Abteilungen geschieden; jedeWare hatte zeitlich und örtlich ihren umgrenzten Markt. Die Veränderungen warenlangsam, oft traten solche in Generationen nicht ein. Die Märkte waren zu übersehen.Angebot und Nachfrage auf ihnen pflegten lange als stabile Größen nur mit kleinenSchwankungen nach Ernte und Bedarf aufzutreten. Nur hatten natürlich die Jahr-märkte und die Messen eine größere Möglichkeit des Wachstums in sich als derWochen- und der übrige lokale Markt. Denn schon der Jahrmarkt, noch mehrdie Messe konnte durch ihre Blüte, durch ihre Gewinne Käufer und Verkäufer vonweiter herlocken; der Wochenmarkt nahm nur zu mit der Stadtbevölkerung, die Messekonnte ihren Umschlag auf das 10- oder 100 fache steigern, indem sie die Jahrmärktein der Nähe ersetzte, indem sie gewissen Waren neue Kunden warb, neue fremde Warenheranzog, ihren Besucherkreis von 10 auf 100 oder 500 Meilen ausdehnte.