Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Die Funktion der Börse. Die persönliche Handelsorganisation.

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ihren Verkehr ohne sie ab. Wie wichtig aber das häufige Sichsehen auf ihr ist, zeigtsich z. B. aus dem niedcrrheinischcn Getreidemarkt, der aus der Kölner oder DuisburgerBörse sich nicht konzentrieren kann, dasür aber in festem Turnus, Woche sür Woche dieHauptfirmen in einer anderen rheinischen Stadt versammelt. Ähnlich ist die riesigeenglische Baumwollindustrie in ihrem Gange davon abhängig, daß alle Fabrikantensich Dienstag und Freitag auf dem Markt zu Manchester sehen und sprechen.

Die Konzentration, die Größe, die Leichtigkeit und die Raschheit, mit der an derBörse große, ja enorme Geschäfte durch die eigentlichen Besucher derselben, die großenund kleinen Geschäftsleute und deren Auftraggeber gemacht werden können, das Spiel-und Hazardmäßige. was in allen Geschäften über künftige Preise liegt das bringtes mit sich, daß nirgends sonst so große Gewinne und so große wirtschaftliche Verlustevorkommen, daß leider auch der Reiz sür den gewissenlosen und gewinnsüchtigen Speku-lanten, andere, besonders Uneingeweihte zu täuschen, hier größer ist als sonst irgendwo.An der Börse finden die schärfsten und härtesten Konkurrenzkämpse statt; sie erzeugt diegrößten Vermögen, aber sie erzieht auch die klügsten und fähigsten Geschäftsleute.

Man muß mit allen Mitteln suchen, sie von ihren Mißbräuchen zu reinigen, dieLaienelemente, die nicht aus sie gehören, von ihr und ihren Geschäften fern zu halten,aber so lange die heutige volkswirtschaftliche Verfassung, das private Eigentum amKapital und der heutige Cirkulationsprozeß besteht, wird die an ihr sich abspielendeForm des Kampfes ums Dasein nicht zu beseitigen, wohl aber zu verbessern, zureinigen sein.

155. Der Handel und die Handelsorganisation, die Teilnahmeder übrigen Klassen am Cirkulationsprozeß, Der Handel von15001350. Haben wir mit diesen Ausführungen über das neuere Marktwesen schondie persönliche Organisation des Handelsverkehrs da und dort gestreift, haben wir siein gewissen Grundzügen oben schon bei der Arbeitsteilung dargestellt (I Z 115 S. 333bis 337), so haben wir hier doch noch ein Bild davon zu entwerfen, wie der ganzeProzeß der wirtschaftlichen Gütercirkulation sich nach und nach persönliche Organe schuf,wie einerseits die Händler, andererseits die übrigen Klassen der Gesellschaft, die Pro-duzenten und die Konsumenten, an ihm teilnehmen, in ihrer wirtschaftlichen Stellunghiedurch bestimmt werden. Nur so erhalten wir eine konkrete Anschauung von seinemWesen, von der verschiedenen Stellung der socialen Klassen zu ihm.

Wir sahen, daß in jener ersten oben unterschiedenen Epoche des Verkehrs, wo wenigund zufällig getauscht und gehandelt wird, meist nur Fürsten und Häuptlinge ver-schiedener Stämme direkt miteinander Geschäfte machen; der Händler fehlte noch ganzoder fast ganz. Und auch in der zweiten oben gekennzeichneten Verkehrsepoche, langenach Ausbildung des städtischen Marktes, sucht man es dahin zu bringen, daß derLandmann an den Städter, an den Handwerker, an alle städtischen Konsumenten, derHandwerker an den Bauer direkt ohne Zwischenhand verkaufe. Jedes Zwischengliedmuß für seine Arbeit ja einen Aufschlag machen, verteuert so die Ware. Ist es zuentbehren, so ist es eine Ersparnis. Es geht bei geringein Verkehr auf kurze Ent-fernungen, es geht, so lange Bauer und Handwerker sich regelmäßig und ohnedies aufdeni städtischen Markt treffen.

Es geht nicht mehr für Seltenheiten und Waren ans größerer Entfernung, diezuerst der fremde herumziehende Händler hauptsächlich aus die Jahrmärkte bringt, aberauch außerhalb desselben von Stadt zu Stadt, von Dors zu Dorf, von Hof zu Hofziehend verkauft. Fahrende Händler, zu Schiffe und zu Lande erst in Karawanensorm,bald auch vereinzelt vordringend, waren überall die Pioniere des Verkehrs. Wir habenoben (I S. 3345, 4145) geschildert, wie dieser fahrende Kaufmann, durch Talent,Mut, Findigkeit, Welt- und Menschenkenntnis der erste Unternehmer wurde, zu Besitzkam, ost eine aristokratische Stellung in der Heimat, eine Herrscherstelluug in der Fremdeerwarb. Ein erheblicher Teil der Händler des Altertunis und des Mittelalters warenfahrende reisende Leute, die von Markt zu Markt zogen. Sie begleiteten selbst oderdurch ihre Beauftragten (Supercargos) ihre Waren. Erst seit dem 16. Jahrhundert