Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Z2 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlauses u. der Einkommensverteilung. ^490

wurde es üblich, daß der Kaufmann seine Ware dem Schiffer übergab, und dieser dieStelle des Supercargo zugleich übernahm. Noch heute spielen in den Ländern ohnemoderne Verkehrsmittel nicht bloß kleine Hausierer, sondern auch größere fahrendeKaufleute die Hauptrolle ini Verkehr, fo in Sibirien , in Westamerika und anderwärts.

Neben dem wandernden Handel, lange in den Händen derselben Personen, entstehtder stehende ansässige Handel, schon im späteren Mittelalter nach und nach in Groß-handel und Kleinhandel sich teilend; der erstere ist noch lange halb ein Wandergewerbe^während der letztere, handwerksmäßig betrieben, sich auf den städtischen Markt beschränkt.In dem Maße, als die Transportgewerbe, die Posten, die neuen Handelsformen desKommissionshandels sich ausbilden, als die neueren Staaten sich konsolidieren, die ge-schlossenen Territorial' und Volkswirtschaften sich abrunden, rückt der stehende Groß-und Kleinhandel an die erste Stelle; die Förderung des ansässigen Handels erscheintvom 16.19. Jahrhundert als eine öffentliche Aufgabe. Dieser wird von den be-dächtigen Politikern jener Zeit so unbedingt gegenüber dem fahrenden Handel als einFortschritt angesehen, daß ein generelles Vorurteil gegen den Hausierhandel, welchemseit dem 17. und 18. Jahrhundert mehr nur kleine Leute mit dem Pack auf demRücken, mit Schubkarren und Packpferd oblagen, Wohl verständlich wird. Viele Zweigedesselben waren freilich so nützlich, so mit den Jahrmarktseinrichtungen, dem legitimenFremdenhandel verknüpft, daß alle erschwerende Wirtschaftspolitik ihn nicht ganz unter-drücken konnte. Italienische Hausierer kamen von 13001800 mit Südfrüchten undÄhnlichem nach Deutschland, Nürnberger nach Norddeutschland, norddeutsche in dieskandinavischen Reiche. Manche neuen abseits gelegenen Gewerbe konnten ihre Warennur durch hausierende Familienglieder absetzen, wie die böhmischen Glas-, die schwarz-wälder Uhrmacher des 17.19. Jahrhunderts. Der Neid der stehenden Geschäftethat alles, die ungünstige Stimmung gegen sie zu mehren. Aber auch berechtigteMotive wirkten auf seine Einschränkung. Nach dem 30 jährigen Krieg drohte ein ganzerTeil der Bevölkerung in Vagabundage sich aufzulösen. Zigeuner und andere moralischzweiselhaste Wanderelemente, die Hehlerei, Dieberei, Betrug aller Art trieben, sich derPolizei und der Besteuerung entzogen, waren lange so zahlreich, daß noch ein soliberaler, weltkluger Mann, wie I. G. Hoffmann, die Fortdauer des Gewerbebetriebesim Umherziehen in dem Deutschland von 182050 für eine rätselhaste Erscheinung,die Zunahme der Hausierer sür einen sittlichen und gewerblichen Rückschritt hielt. Starkeinschränkende Gesetze über Konzessionierung, Kontrollicrung, Besteuerung der Hausierermit engen Vorschriften über die erlaubten Waren hatten allerwärts bis 185070, biszum Siege der Gewerbefreiheit Platz gegriffen. Sie waren in ihrem Kern nicht un-berechtigt, in ihrer Ausführung meist stark übertrieben, verkannten die Bedürfnisse derabgelegenen Konsumenten, des Platten Landes.

Langsam und sicher dehnten sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die stehendenGroß- und Kleinhandelsgeschäfte aus; die ersteren auf die Verkehrscentren, Umschlags-und Stapelplätze , fürstliche Residenzen im ganzen beschränkt; die letzteren in dengrößeren wie kleineren Städten zu Hause, aus das Platte Land noch kaum ausgedehnt.Mehr und mehr war das Netz dieser Geschäfte ein relativ dichtes, es war im ganzenstabil geworden, wie die Handelsbeziehungen, die es schuf. In der kleinen Stadt fandman ein oder zwei Gemischtwarenhandlungen, in der größeren nebeneinander die Höker,Viktualien-, Kolonialwaren-, Manufaktur-, (Gewebe aller Art)-, Metallwaren- undKurzwarenhandlungen; die Arbeitsteilung im Kleinhandel war gering, der Betriebgemächlich und handwerksmäßig; jeder Laden hatte seine Kunden, die er kannte, nahm,was er brauchte vom befreundeten und nahen Großhändler. Das örtliche Markt- undJnnungsrecht sicherte ihm seine Nahrung.

Im Großhandel hatte langsam eine gewisse Arbeitsteilung Platz gegriffen. Freilichwar noch lange der Geld- und Kredit- zugleich Warenhändler, der Tuch- und Waren-händler zugleich Verleger der hausindustriellen Heimarbeiter. Immer hatte der Kapital-und Kredithandel zuerst in Italien, dann in Deutschland, Holland, Frankreich, England jene halbfürstlichen Kaufleute, von den Medicäern, den Fuggern bis zu den Rothschilds