Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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88 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufcs u. der Einkommensverteilung. ^5>46

Wollte, die kleinste Abweichung von dieser Relation auf dem Weltmarkt für die Münzendes einen unterwerteten Metalls ein Agio, eine Wertunsicherheit, zuletzt ein Verschwindenins Ausland erzeugte, was enorme Neuprägungskosten, zeitweisen Münzmangel undUnsicherheit im Wert aller Kassenbestände zur Folge hatte. So verlor England 1680bis 1717 sein Silber und kam zur faktischen Goldwährung, die es 1816 zur rechtlichenmachte. So hat Frankreich , nachdem es von 1803 bis etwa 1820 Gold- und Silber-geld nebeneinander gehabt, von 18201851 eine ausschließliche Silbercirkulation miteinem Agio für Goldmünzen, von 18521855 eine reine Goldcirkulation mit Agiofür Silbermünzen erhalten und stellte, als ihm wieder der Ersatz seiner Gold- durchSilbermünzen drohte, 18731876 die private Silberprägung allmählich ganz ein, umfeine Goldmünzen sich zu erhalten. Ahnlich die Vereinigten Staaten .

168. Die Gold-, Silber- und Doppelwährung. Die Entstehungund Ausführung der modernen Währungstheorien und -gesetzt. Amdem Boden der eben geschilderten Thatsachen sind die neueren Theorien über einfacheund Doppelwährung und die entsprechenden Gesetze erwachsen- Die Theorien hattenjetzt eine Wirkung, die einstens fehlte. Man kannte früher den heutigen Begriff dereinfachen oder Doppelwährung gar nicht, konnte also auch nicht, wie man jetzt so oftbehauptet, dementsprechend handeln. Man hatte in älterer Zeit (und teilweise auch nochbis ins 19. Jahrhundert) meist im Dränge der Umstände je nach dem Vordringen deseinen oder andern Metalls, je nach dem Zustand der Gold- oder der Silbermünzen sich füreine Maßregel des Tages entschieden, welche dann die Theoretiker der Neuzeit als Gold-oder Silber- oder Doppelwährung bezeichneten.

Erst seit Ende des 17. Jahrhunderts erörterte man die Frage theoretisch, obGold oder Silber besser zum Gelde tauge und wertbeständiger sei, ob beide zusammenund wie zu gebrauchen seien. Doch entschieden noch im ganzen 18. und im Anfang des19/ Jahrhunderts mehr praktische als allgemein theoretische Gründe die Münz - undWährungspolitik. Im Laufe des letztern aber hatten die Erfahrungen, hauptsächlichdie Münzkrisen von 1850 ab, der Abfluß des französischen Silbers, dann die Bewährungder überwiegenden Goldcirkulation in England , der überwiegenden Silbercirkulation inDeutschland , die Überzeugung befestigt und zu einer förmlichen Theorie ausgebildet,daß nur eines der beiden Metalle in jedem Lande die Währung, das gesetzliche Haupt-zahlungsmittel sein solle. In Deutschland bedeutet die Münzkonv ention von 1857 denvollen Sieg der reinen Silberwährung. Und diese Überzeugung befestigte sich bis gegen187375. Man unterschied nun einfache und Doppelwährung und erklärte die letztere,wie sie seit 1803 in Frankreich bestand, als auf die Dauer undurchführbar und schädlich;sie raube dem Lande je nach einer Anzahl Jahre mit dem Wechsel des Wertverhält-nisses von Gold zu Silber den einen oder den andern Teil seiner Münzen. Manhatte nun erkannt, daß und in welcher Beschränkung die Goldwährung eine gewisseMenge unterwertiger Silbermünze, die Silberwährung eine solche übertarisierter Gold-münze ertragen könne. Die Doppelwährung, die man dabei verurteilte, war die,wie sie bisher meist nicht bestanden hatte, die mit freier Prägung beider Metalle. Diefrühere Art der Kombination beider Metalle nannte man jetzt häufig Mischwährung,auch Parallelwährung; unter letzterer verstehen Grote und Lexis das Nebeneinander-bestehen von Gold- und Silbermünze ohne gesetzliche Wertrelation, wie sie mehr that-sächlich als rechtlich früher oft vorkam, sofern man die vom Staate bestimmten Kurs-werte mißachtete. Der Zustand, wie er in Preuße» von 17651850 etwa bestand,daß für gewisse Zahlungen regelmäßig Gold, für andere Silber gegeben wurde,hat man als Altern ativwährung bezeichnet. Die Länder, welche Doppelwährungeinst besaßen, aber die freie und in der Hauptsache auch die staatliche Courantprägungin einem Metall (dem Silber) eingestellt hatten, ohne alle Münzen dieses Metalls inScheidemünzen zu verwandeln, hat man vielfach als Länder mit hinkender Währuugbezeichnet. Dazu gehört Frankreich , weil es nur die Silbermünzen von 2 Francs ab-wärts zu Scheidemünze gemacht , die 5.Francsstücke als Vollgeld belassen hat, undDeutschland , weil es mit dem Übergang zur Goldwährung 187173 wohl die neue