Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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118 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlauses u. der Einkommensverteilung. s^576

gesetzgebung, von den älteren Taxordnungen bis zum heutigen Kampf für lebens-ausköminliche Minimallöhne und gegen übermäßige Monopolpreise der Kartelle, vonden ältesten Marktordnungen bis zum neuesten Börsengesetz reicht die Kette von Maß-regeln, die hierher gehört. Ost griff man zu plump ein, wollte unter Nichtachtungder bestehenden Angebots- und Nachsragemengen gewaltsam höhere oder niedrige Preiseerzwingen. Das war gewiß oft verfehlt. Aber ebenso oft genügte eine kleinere odergrößere Konkurrenzregulierung, die Größe von Angebot und Nachfrage selbst, nochhäufiger die Druck- und Machtverhältnisse, mit denen sie egoistisch wirkten, im Gesamt-interesse zu modifizieren. Und daS war stets berechtigt, wenn dadurch starke sittlicheMißbräuche verringert, die Marktwerte den berechtigten sittlichen Anschauungen überden idealen, im Gesamtinteresse erwünschten Wert genähert wurden.

Trendelenburg sagt: wenn das Begehren der einzelnen mit den wahren Bedürf-nissen des sittlichen Menschen zusammenfiele, d. h. alle einzelnen vollkommen wären, sokönnte der Marktpreis des Lebens dem sittlichen Werte gleich oder nahe kommen. Dadies nicht der Fall ist, so zeigt die nationalökonomische Wage leicht ein falsches Gewicht.Gegen diesenwandelbar trügerischen Marktpreis" muß als rechtsbildendes Princip diepolitische und ethische Wertschätzung, die vom Ganzen ausgeht, kämpfen. Er erinnertan die verteilende (weitergehende) und die korrigierende (bescheidenere) Gerechtigkeit desAristoteles ; die erstere verteile Ehre, Macht und Güter nach Verdienst, sie müsse dieStaatsverfassung, das Strafrecht und ähnliche Gebiete beherrschen; die letztere könnenur da und dort im Verkehr ein Zuviel oder Zuwenig ausgleichen und strebe so inengeren Grenzen nach dem Ziel der ersteren. Sie mindestens ist auf dem Markte durch-zusetzen. Wie das bei dem Taxwesen früherer Zeit geschah, wie wir heute teil-weise wieder zu einer folchen zurückkommen, und wie die Preis- und Wertbildung dermodernen Verkehrsanstalten unter solchen Einflüssen sich gestaltete, soll nun noch gezeigtwerden. Es sind Erscheinungen, die nur aus dem innersten Wesen der Wertbildungheraus richtig erklärt werden können.

174. Taxwesen und Taxpreise inVergangenheit und Gegenwart.Wollen wir die Entstehung des älteren Taxwescns verstehen, so müssen wir uns noch-mals dessen erinnern, was wir bei Erörterung der Anfänge des Geldwesens ansührten,nämlich daß in primitiven wirtschaftlichen Verhältnissen stabile Wertrelationen sowohlzwischen einzelnen Gütern als zwischen Gütern und Geld sich bilden und lange Zeithindurch unverändert erhalten konnten. Der Marktverkehr ist sehr gering; Tausch- undKaufgeschäste kommen mehr vereinzelt und zufällig vor; das Wertbewußtscin bildet sichneben dem meist unbedeutenden Markte einmal an den Tarifen der Bußen und Kompo-sitionen aus, wobei jeder für eine Kuh vier Schafe oder einen Solidus geben kann;dann an den gruudherrlichen Abgaben, wobei ebenfalls häufig Geld und Naturalienalternativ in fester Stellvertretung geliefert werden können; endlich an der staatsrecht-lichen Last der Militär- und Beamtenverpflegung, die erst umsonst zu liesern ist, dannaber mit festen Geldsätzen sür die gelieferten Naturalien vergütet wird. So fixiert sichsür Jahrzehnte, oft für Jahrhunderte ein Werttarif, der von aller subjektiven Wert-schätzung ebenso absieht wie von der augenblicklichen Marktlage und den individuellenProduktionskosten; nach der Qualität und der allgemeinen Nützlichkeit gewisser ingleichmäßigen Typen sich wiederholender Waren und Leistungen kommt die Masse dernoch wenig differenzierten Menschen zu stabilen Durchschnittswerten derselben, hält sie sürrichtige und gerechte, obwohl natürlich mit dem zunehmenden Marktverkehr und seinerwechselnden Lage immer mehr Abweichungen im Urteil und im praktischen Geschäftvorkommen müssen. An diese ältere Stabilität der Wertvorstellungen scheint auch dasältere obrigkeitliche Taxwesen auf den Märkten anzuknüpfen.

Ich zweifle nicht, daß in sehr weiter Verbreitung die Kulturvölker mit der Ent-stehung der Märkte ein amtliches Taxwesen sür den Detailverkaus der wichtigsten ge-wöhnlichen Waren und Leistungen ausgebildet haben, und daß es mit den erwähntenmassenpsychologischen und wirtschastlichen Zuständen zusammenhängt. Man war stabileWerte sür die einsachen, wenig differenzierten und daher vielfach vertretbaren Waren