Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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615^ Veränderung der Produktionskosten bei gleichbleibender Nachfrage. 157

duktion erleichtern, bei den alten Verkaufspreisen die Gewinne etwas erhöhen. Ob imZusammenhang damit die Preise sinken, hängt von der Stärke der Nachfrage ab;meistens ist sie, wenn der Zinsfuß infolge von Geschäftsstockungen vorübergehend sinkt,eine abnehmende.

Sie kann ferner bestehen in einer Verminderung der Arbeitskosten, d. h. in Er-sparnis an Arbeit und Anwendung ergiebigerer Arbeit oder in einem Sinken der Löhne.Die erstere Erscheinung wird fast stets zunächst nur in einzelnen Geschäften oder Ge-schäftszweigen vorkommen und dann je nach der Nachfrage und Marktlage zu Extra-gewinnen der Unternehmer oder Preisreduktionen führen; foweit die Änderung mittechnischen Fortschritten zusammenhängt, komme ich gleich noch besonders darauf. DasSinken der Löhne wird teils partiell in einzelnen Zweigen des Wirtschaftslebens, teilsallgemein eintreten können. In beiden Fällen wird die Lohncrfparnis den Gewinnzunächst erhöhen, dann aber durch die Konkurrenz zu billigeren Warenpreisen führen.Ein solches Sinken der Preise verschafft den Konsumenten einen Vorteil um den Preisder Herabdrückung des Einkommens der Arbeiter. Diese werden weniger kaufkräftigals vorher, es kann die Armenlast und die sociale Not so steigen, daß hierdurch dieGesamtheit viel größeren Nachteil hat als der Konsumentenkreis durch die billigerenWaren Vorteil. Jede absichtliche Warenverbilligung durch Lohndrücken steht daher mitRecht in schlechtem Geruch.

Die Verminderung der Kosten kann aber auch bestehen in technischen Fortschritten,verbesserter Gcschäftsorganisation, billigeren Frachten. Die beiden ersteren Momentetreten in der Regel so in die Erscheinung, daß zunächst einzelne sie finden und an-wenden. Diese werden dann, so lange sie oder wenige Nachahmer allein im Besitzeder Vorteile sind, erhebliche Extragewinne machen; denn so lange sie nur einen Teilder Nachsrage befriedigen, andere Geschäfte, die in alter Weise arbeiten, neben ihnennoch nötig sind, bleibt der Preis der alte. Einzelne Familien, Städte und Länder,die zuerst und länger allein die großen technischen und organisatorischen Fortschrittevollziehen, werden dadurch die reichen. Man hat oft und mit Recht gesagt, nur dieserFall sei es, der heute noch erhebliche Vermögen in den Händen der Unternehmer er-zeuge. Die Quelle dieser Extragewinne kann aber stets nur eine gewisse Zeit hindurchfließen. In dem Maße wie die Fortschritte bekannt und nachgeahmt werden, auchwo die Betreffenden Erfindungspatente auf eine Anzahl Jahre haben, geschieht es nachAblauf derselben entsteht eine stärkere Konkurrenz, ein Überangebot, ein Versuch,durch Preisminderung Kunden zu werben. Und so sinken mit der Zeit alle Preise imVerhältnis des technischen Fortschrittes und der verbesserten socialen Organisation derProduktionsorgane. Nur wo die Beschränktheit einzelner Produktionsgüter zu sehr inentgegengesetztem Sinne wirkt, tritt die Verbilligung nicht ein, oder findet gar Ver-teurung statt. Für die meisten Produkte des eigentlichen Gewerbefleißes, Zucker,Chemikalien, Gespinste, Gewebe, Hausgeräte, Werkzeuge, hat durch diese Ursache eineaußerordentliche Verbilligung in den letzten Generationen stattgesunden. Der Meterfeinen Wolltuches in Reims fiel 18161883 von 16 auf 1,45 Francs; die englischenBaumwollstoffe sanken 18301880 um 60 Prozent im Preis. Marx führt an, daß12 Dutzend Stahlfedern in England 1820 144 Schilling (als Folge des Handwerks-betriebes) kosteten, 1330 8 Schilling (als Folge der Manusaktur-), 1867 26 Peuce(als Folge des Fabrikbetriebes). A. Wells führt als die durch technische Fortschritteneuestens stark verbilligten Waren Zucker, Petroleum, Kupfer, Eifen, Quecksilber, Silber,Zinn, Nickel, Bleiwciß, Kohlen, Sulphate, Chinin, Papier, Salpeter an.

Noch rascher pflegt die Verbilligung durch bessere Transportmittel und gesunkeneFrachten zu wirken, da neue Verkehrswege und Verkehrsmittel, einmal hergestellt, sofortjedem offen stehen. Wir haben oben schon (§ 150, 151) mancherlei Frachtermäßigungenangeführt; wir werden für die letzten 200 Jahre im Durchschnitt aller Frachtmittel einSinken derselben von 2050 auf 0,55 Pf. per Tonnenkilometer annehmen können. EineTonne Getreide von Newyork nach Liverpool zu schaffen kostete 1873 noch 30,68, 1893