Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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180 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung, ^6ZK

Entwickelung erklären; zugleich ein schlagender Beweis dafür, daß die Sprache ausMangel an neuen und zahlreicheren Worten immer leicht dieselben Worte in relativverschiedener Bedeutung gebraucht.

Wir wollen auf den Kapitalbegriff kein System aufbauen, aus dem Wesen desKapitalismus nicht erklären, was uns nur einej Specialanalyse unseres heutigen Wirt-schaftslebens ergeben kann. Wir halten es für das Richtigste, bei der Definition dereinschlägigen Begriffe von den wirtschaftlichen Gütern auszugehen uud unter ihnen imGegensatz zu den freien, in unbegrenzter Menge vorhandenen, diejenigen materiellen inbeschränkter Menge vorhandenen und daher im Eigentum besessenen Objekte zu ver-stehen, deren Nützlichkeit anerkannt ist, die darum Wert haben, den wirtschaftlichenBedürfnissen dienen. Nur im abgeleiteten Sinne und im Hinblick auf die Folgen desgesellschaftlichen Mechanismus kann man neben den realen Objekten die Vermögens-nutzung und die Rechte auf wirtschaftliche Güter oder Leistungen unter den wirtschaft-lichen Gütern mit begreifen. Die realen wirtschaftlichen Güter kann man dann einteilenn.) in solche, welche der Produktion dienen (Produktivgüter- oder -kapitalien; Güterzweiter und späterer Ordnung nennt sie die österreichische Schule); I») in solche, welchelänger dauernder Benutzung dienen, wie Häuser, Kleider u. s. w. (Nutzkapitalien) und o) insolche, die durch einmaligen Verbrauch in ihrer Gestalt und in ihrem Wert vernichtetwerden (Genußgüter, verbrauchliche Güter); sie und die vorhergehende Klasse nenntdie österreichische Schule Güter erster Ordnung. Unter Vermögen verstehen wir dannden Inbegriff wirtschaftlicher Güter, über welche einzelne oder Kor-porationen in ihrem Interesse verfügen können; und da es für die einzelnennicht bloß auf das Eigentum, das Innehaben, sondern ebenso auf das Recht in Bezugauf Güter und Renten, Schulden und Verpflichtungen ankommt, so sagen wir in über-tragenem Sinne auch, das Vermögen sei der Inbegriff der wirtschaftlichen Güter, überdie jemand in seinem Interesse zu verfügen', das Recht habe (Neumann). Wirdenken uns dabei etwaige Schulden abgezogen. Wir begreifen unter dem Vermögen denwerbenden wie den nicht werbenden Teil (zumal die sogenannten Nutzkapitalien), undwir drücken gewöhnlich das Vermögen in Geldpreisen als Wcrtcinheit aus.

Das Kapital aber ist uns derjenige Teil des Vermögens, derwerbend in irgend einer Form, im eigenen Geschäft oder bei Dritten in Leih-form angelegt ist, bei dem aber der Gedanke der technisch verschie-denen Anlage Möglichkeiten und -arten zurücktritt gegenüber seinemGeldwert und der Rente, deren Höhe in bestimmtem Verhältnis zu diesemGeldwert steht. Wo und soweit vom Besitz im Gegensatz zum Nichtbcsitz die Redeist (wie bei Marx), halten wir es für besser, von Vermögen und nicht von Kapitalzu sprechen. Wo Gütervorrätc, die weiterer Produktion technisch dienen, gemeint sind,mag man das Wort Kapital auch brauchen; häufig wird es besser sein, werbendes Ver-mögen zu sagen. Im ganzen scheint es mir richtig, wenn wir mit C. Menger zudem Kapitalbcgriff zurückkehren, wie er im geschäftlichen Leben feststeht und durchkeine theoretische Auseinandersetzung zu beseitigen ist, auch vou allen Theoretikern, dieandere Begriffe vom Kapital geben, doch immer wieder nebenbei gebraucht wird.

Die durch A. Smith begründete Einteilung des Kapitals in umlaufendes undstehendes geht vom Kapital im Sinne der der Produktion dienenden Gütervorrätc aus.Zum ersteren rechnet man die beweglichen Vorräte, Lebensmittcl, Rohstoffe, Zwischen-produkte, das Geld in den Geschäftskassen, zum letzteren die Werkzeuge, Maschinen,Gebäude, Grundstücke, Meliorationen. Es ist in erster Linie ein technischer Unterschied,aber dann auch ein geschäftlicher. Das umlaufende Kapital, Betriebskapital, erlaubttechnisch nur eine einmalige Verwenduug; es giebt bei richtiger Produktion seinen ganzenWert in das Produkt, das stehende nur seine Nutzung, denn dieses erlaubt eine Ver-wendung sür Monate und Jahre. Das Betriebskapital ist technisch zwar teilweise nurzu bestimmten Zwecken verwendbar, wie Wolle zu Wollgewebeu; ein großer Teil aber,Geld, Lebcnsmittel und anderes, kann zu allem Möglichen dienen, und fast stets kanndas Betriebskapital leicht veräußert und so sein Wert anderen Zwecken zugewendet werden.