Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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194 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrumlanfes u. der Einkommensverteilung. 1^652

Der Notenumlauf der Bank von England stieg 17801860 von 168.2 Mill. Mk.auf 429,6 Mill. Mk., seither schwankt er zwischen 400 und 600 Mill. Mk.; der derProvinzialbankcn sank 1860-1397 von 126 auf 28 Mill. Mk., der der schottischenstieg zur selben Zeit von 93 auf 153 Mill. Mk. Die französische Bank hatte 1840180 Mill. Mk., 1870 etwa 1200, 1897 etwa 2966 Mill. Mk. im Umlauf, die preußische1847 36, 1875 754, die deutsche 1876 684, 1900 1138 Mill. Mk. (die Privatnoten-banken 1873 330 und 1900 175 Mill. Mk.) im Umlauf. Die belgische Bank hat13511880 ihre Noten mehr als verzehnfacht, seither haben sie nicht viel zugenommen;die niederländische verdoppelte 13641881 fast ihre Noten, seither trat so ziemlichStabilität ein. Wir kommen auf die Ursachen, warum in den hochentwickelten Länderndie starke Zunahme der Notencirkulation aushört, im nächsten Kapitel zurück.

ä) Der Wechsel. Am wichtigsten aber sür die Ausbildung des kaufmännischenkurzen Kredits wurde der Wechsel, wie er sich vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwartals eigentümliche Vertragsform entwickelt hat. Die Voraussetzungen feiner Entstehungwaren die damaligen Schwierigkeiten der doch immer dringlicher werdenden interlokalenGeldzahlungen, wie sie in der Verschiedenheit der Münze, dem Mangel an Posten undPostanweisungen, den Geldausfuhrverboten lagen, sowie die Möglichkeit, unter der Formeines Münzwechsels die für den Kaufmann unentbehrlich gewordene Verzinsung sürkurze Darlehen zu verbergen. Man erhielt heute in Florenz Geld in italienischen Gold-gulden und zahlte sie in zwei Monaten in Pfennigen auf einem Meßplatz der Cham-pagne zurück; was man hier mehr zahlte, verbarg den Zins, man konnte dieses Mehrals Ersatz der Transportkosten und des ideellen Münzwechsels bezeichnen. Die Geschäftebildeten sich nun in zwei Formen im 13. und 14. Jahrhundert unter den italienischenKaufleuten und Banken und ihren Gesellschaftern, Geschäftsfreunden und Kunden ananderen Orten aus: 1. in der Form notariell beurkundeter und als Cambium bezeich-neter Darlehensgeschäfte auf kurze Zeit, wobei die Einzahlung und Rückzahlung inverschiedener Münze und meist an verschiedenem Orte erfolgte. Wer eine Zahlung aneinem anderen Orte zu machen hatte, wandte sich an einen Geschästsmann, der barGeld für kurze Zeit brauchen konnte und nutzen wollte und etwa bald an jenen Ortreiste oder dort einen Socius oder Schuldner hatte, der sür ihn dort zurückzahlen konnte.Der Geldempfänger (Wechselaussteller) am ersten Orte stellte dafür die Cambiumurkundcaus, und mit ihr erhielt der andere (der Wechselnehmer) die Möglichkeit, am anderen Ortedie Gegenleistung zu erheben; 2. in der Form privater kaufmännischer Anweisungen,sog. Zahlungsbricfe, Isttsra äi paZamsuto, die erst gegen Ende des 14. Jahrhundertsals Wechfelbriefe (letterg. äi eamdio) bezeichnet wurden. Es waren Anweisungen, dieursprünglich in der gewöhnlichen Korrespondenz enthalten, nach und nach als selbständigeBriefe aus ihr herausgenommen wurden. Ein Geschäftshaus (der Wechselaussteller,Trassant) beauftragt einen Socius, Kunden oder Schuldner am andern Orte (den Be-zogenen, Trassaten), an einen Dritten (den Wechselnehmer, Rcmittenten) gegen Über-reichung des Zahlungsbriefes eine bestimmte Summe zu zahlen. Der Trassant erhältdie Valuta, die niedrigere Summe am Orte vom Wechselnehmer bezahlt, oder erkreditiert sie; dieser erhält die höhere am andern durch den Trassaten. So entstand imLaufe des 14.17. Jahrhunderts der sog. gezogene Wechsel; man sparte mit ihm dienotarielle Urkunde; die Sicherheit der Zahlung erhöhte sich durch die Haftung desAusstellers im Falle der Nichtzahlung durch den Trassaten; es wurde üblich, daßdieser vorher schriftlich erklärte, ob er den Wechsel acceptiere, also sicher zahlen wolle;aus den Wechselmessen, auf welche die meisten Wechsel gestellt waren, sührte man imFall der Nichtzahlung den Wechsela^rest als sicherstes Exekutionsmittel ein; daraus ent-wickelte sich der heutige rasche und strenge Wechfelprozeß, die Wechfelstrenge; durch dieOrdreklausel, d. h. die Ermächtigung, den Wechsel weiter zu verkaufen, durch einfachenschriftlichen Vertrag auf seiner Rückseite oder gar uur durch Unterschrist des Verkaufendenan dieser Stelle (Indossament, Girierung), wurde der Wechsel zu einem Zahlungsmittel,das durch viele Hände gehen konnte, und zugleich steigerte sich damit seine Sicherheit, indemalle so auf seiner Rückseite Eingetragenen ebenfalls für die Zahlung hafteten. Der gezogene