Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Englisches, französisches, deutsches Notenbankivesen.

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summe nicht sowohl eine sehr große Geschäststhätigkeit als den Ersatz der Münze durchNoten bedeute, Ihr Wechsel»orteseuille war durchschnichtlich 1900 699 Mill. Mk., dasder Reichsbank 800 Mill.; ihre Lombardbeleihung allerdings 408, bei der Reichsbanknur 80 Mill. Mk. Von den gesamten französischen Wechseln diskontierte sie 188142°/», 1891 39°/o. Aber ihr Wechselbestand war Ende 1880 926 Mill. Francs,1898 901, während die vier größten Pariser Kreditbanken, die mit ihr konkurrieren,in demselben Zeitpunkte 316 und 1199 Mill. Francs nachwiesen (Thorwart). Ihrewirtschaftliche Machtstellung ist also doch etwas zurückgegangen, wenn sie sich auch eiuesehr viel größere aus dem französischen Markte erhalten hat als die Bank von England auf dem englifchen.

An deutschen Notenbanken bestanden bis 1840 erst 4, bis 1851 erst 9,1857 aber 29, 1870 31, 1875 mit der preußischen Bank 33. Die vorsichtige preußischeBankpolitik war bis 1870 durch die Kleinstaaten paralisiert worden; diese hatten in denAufschwungsperioden übermäßig viel Notenbanken konzessioniert, welche nun künstlichganz Deutschland mit Noten überschwemmten und in kritischen Jahren, namentlich 1366,sich nicht bewährten, den Kredit übermäßig einschränkten, sich nur hielten, weil diegroße preußische Zentralbank in entgegengesetztem Sinne operierte. Die deutsche Noten-cirkulation war 1850 120, 1860'460, 1870 340, 1873 1430 Mill. Mk. (wovonüber 1000 Mill. ^600 mit Metall bedeckt^ auf die preußische Bank fielen) gewesen.Man verlangte allgemein ihre Einschränkung. Das Bankgesetz von 1875 , welches diepreußische in eine Reichsbank verwandelte, schränkte unter allgemeinem Beifall dieThätigkeit der kleinen Notenbanken ein. Von den 32 damals bestehenden existierenjetzt (1902) nur noch 6 als Notenbanken neben der Reichsbank; im Jahre 1900 hatteletztere 1138 Mill. Mk., die übrigen Notenbanken 175 Mill. Mk. Noten cirkulieren;die Banknovelle von 1899 zwingt sie, sobald der Diskont der Reichsbank 4 °/o erreichthat, ebenso teuer und auch vorher schon höchstens '/n oder ^/-t billiger zu diskontieren,beschränkt also die Unterbietung der Reichsbank sehr. Die Frankfurter Bank hat seitherauf das Notenrecht verzichtet; andere wollen durch ein ausgedehntes Filialensystemversuchen, sich mehr zu Depositenbanken zu entwickeln. Soweit eine erhebliche Konkurrenzsür die Reichsbank auf dem Diskontomarkt heute noch stattfindet, liegt sie nicht in denNoten- sondern in den Effektenbanken, deren Depositen- und Diskontogeschäft neben derReichsbank sehr ins Gewicht fällt. Immer behauptet diese die führende Stellung inDeutschland . Ihr Kapital wird in einigen Jahren 130 Mill. Mk., ihr Reservefonds60 Mill. betragen. Von allen deutschen Wechseln diskontierte sie 1880 31, 1900 38°/°.Am Jahresschluß 1900 lagen (nach Thorwart, Bankarchiv) bei den Privatnotenbanken7,2 °/o, bei den großen Berliner Effektenbanken 40,2 °/o, bei der Reichsbank 51,9 °/uder von diesen Instituten diskontierten Wechsel; so beherrscht sie in der That denDiskont in Berlin und damit auch in Deutschland und wird es künstig noch mehrthun. Mag daneben das Kapital der Deutschen Bank 150 Mill., das aller deutschen Effektenbanken 1900 1939 Mill. Mk., das der übrigen Notenbanken 99,7 Mill. Mk.betragen; mögen die Effektenbankcn am Jahresschluß 1900 1583 Mill. Mk. Wechselund 997 Mill. Mk. Depositen gehabt haben, während die Reichsbank nur 1088 Mill.Wechsel und 497 Mill. Mk. täglich fällige Guthaben nachwies (die übrigen Notenbankenhatten 170,8 Mill. Wechsel, 43,7 Mill. solcher Guthaben), das ändert an der be-herrschenden Stellung unserer Centralbank nichts. Sie hat sehr früh zahlreiche Zweig-anstalten gehabt, 1875 schon 182, 1900 330; ihre Bcamtenzahl war 1900 2322, wovon663 auf der Berliner Centrale. Die Klagen, daß sie zeitweise zu teuer diskontiere,sind ganz falsch; nur indem sie dies that, hat sie die Krisen 1866, 1870, 1873, 1890bis 1891, 19001901 richtig beschworen. Die deutsche Goldwährung und die ganzedeutsche Münzcirkulation hat sie mit Geschick geleitet und verteidigt; sie hat in muster-hafter Weise den Giroverkehr und das Abrechnungswesen in ganz Deutschland ein-gerichtet, die Umsätze ihres Giroverkehrs 18761900 von 10 auf 163 Milliarden Mk.jährlich gesteigert, dadurch das Zahlungswesen vereinfacht, an Kapital und Umlaufs-mitteln enorme Summen der deutscben Volkswirtschaft erspart. Ihre Einrichtungen

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