Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die innere Versassung der Centralbanken. Gcsamturteil.

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Reich und Aktionären heilsam wirkt; diese ist neuerdings von Deutschland aus in dieGesetzgebung einer Reihe von anderen Centralnotenbanken übergegangen, so in die vonÖsterreich, Frankreich, Belgien und Italien .

Wir sind am Schluß unserer Erörterung über die Notenbanken. Was für dieGirobanken 15871620 in einigen Handelsstädten, wurde sür sie 1300 1900 ingroßen Staaten erreicht: eine Centralisierung ini Gesamtinteresse, hervorgegangen ausund verbunden mit einer weitgehenden gesetzlichen Reglementierung aller Geschäfte. Derausgebildetste Teil der heutigen Kreditorganisation ist so nicht etwa verstaatlicht,aber durch seine Verfassung antikapitalistisch umgebildet. Die Bankleitung ist so kon-struiert, daß sie nicht bloß hohe Dividende machen, fondern das Gesamtintercsse vonStaat und Volkswirtschaft fördern will. Das berühmte Wort Tookes, Notenfreiheitfei nichts als Schwindelfreiheit, wird heute in der Mehrzahl der Kulturstaaten geglaubt,nicht ohne daß man da und dort das Ratengeschäft vielleicht zu fchr eingeschränkt, dieNote zu sehr aus einem Kredit- zu einem bloßen Zahlmittel gemacht, die Bank-verwaltung etwas zu sehr bureaukratisiert und schablonisiert hat, aber im ganzen dochsehr viel mehr zum Segen als zum Schaden der Staaten, welche ihr Notenbankwesenvon 18441902 einer centralistischen und regulierenden Reform unterworfen haben,ohne doch die kaufmännifchen Sachkenntnisse und die Gewinnabsichten ganz aus demMechanismus zu verbannen.

197. Die übrigen städtisch-kaufm ännischen Banken. Das Privat-bankiergeschäft, dieDepofiten-,Diskonto-,Effekten-, Kolonial-u. f. w.Banken. Der Entwickelung der Notenbanken von 1700-1900 ging zunächst derAusbildung des Privaten kleinen und großen Bankiergeschäfts parallel; hauptsächlichdie großen Privatfirmen hatten vielfach schon vor den großen Notenbanken 17001850in den Centralpunkten Westeuropas eine beherrschende Stellung, wie einst die italie-nischen, holländischen, oberdeutschen im 13.17. Jahrhundert, sich errungen. ImLaufe des 19. Jahrhunderts, hauptfächlich von 18501900, zweigen sich dann eineReihe neuer großer Aktienbanken teils als Specialitäten von den Notenbanken ab, teilsentstehen sie aus den großen Privathäusern oder bilden sich in steigender Zahl neu.Wir besprechen zunächst die Formen der Banken, die dem kaufmännisch-gewerblichenKredit angehören, häuptsächlich als Aktiengesellschaften auftreten: die Depositen-, Dis-konto-, Effekten- und Kolonialbanken.

Ich suche zuerst eine Vorstellung von der Entwickelung des Privatbankiergeschäftszu geben. Wir sahen oben (II S. 34), daß der preußische Staat 1837 368, 1861 602Großhändler für Kredit zählte; die Zollvereinsstatistik sührt 1861 1551 Inhaber vonBankgeschästen mit 3183 GeHülsen auf. Die Berusszählungen von 1882 und 1895erwähnen 5131 und 5969 Erwerbsthätige im Geld- und Kredithandcl als Betriebs-leiter, 17 603 und 33 689 als dienendes Personal; die Gewerbestatistik von 1395 ergiebt6233 Hauptbetriebe, von welchen 1605 Alleinbctriebe, 4393 Betriebe mit 2-20 Personen,214 solche mit 21100, 21 solche mit 1011000 Personen waren. Diese Zahlenwerden uns ein ungefähres Bild der westeuropäischen Entwickelung überhaupt geben,wenn auch England und Frankreich, Belgien und Holland Deutschland um ein Menschen-alter oder mehr voraus gewesen sein mögen. Das gewöhnliche Privatbankiergeschäft inDeutschland war bis 18401860 mäßig entwickelt, nahm dann einen außerordentlichenAusschwung, hauptsächlich 18601882; in den letzten zwanzig Jahren nimmt die Zahlder Betriebe kaum zu, aber ihr Umfang; immer erscheint auch 1895 noch das kleinereBankgeschäft als überwiegend, 23 760 Personen kommen auf die Betriebe mit unter20, 12 818 auf die mit über 20 Perfonen. Ich füge noch bei, daß Wiedseldt sürBerlin nachweist: sür 1846 110 Selbständige im Bankiergeschäft und 205 Abhängige,1861 160 und 347, 1890 1315 und 6697. Das deutsche Bankierbuch zählt 1898 fürBerlin 410, sür Breslau 33, sür Frankfurt a. O. 135, für Hamburg 65 Privatbankenauf; das können nur die größeren Firmen sein. Vielleicht spricht aus diesen Zahlenaber auch schon der seit 1885 stark einsetzende Aufsaugungsprozeß der kleinen Bankiers