Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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<Zg1^ Das ältere Privatbankgeschäft. Die englischen Depositen- und Diskontbanken. 2Z3

alle bemittelten Familien bis in den unteren Mittelstand, ihre Einnahmen einer Bankübergeben, durch sie zahlen; die Depositenbanken verstanden durch ihr Filialennetz überall,nuf dem Lande, in jeder Borstadt Kunden zu werben. Die Banken zahlen keine odergeringe Zinsen für das niedergelegte Geld; die Depositen der oben genannten Bankenstiegen bis 1379 auf 198 Mill. Pfd. Sterling, bis 1901 auf 541 Mill. Pfd. Sterling(vgl. oben S. 193 die Bemerkung über den statistischen Siun der englischen Depositen).Die großen Depositen erlauben den Banken, mit mäßigem eigenen Capital auszukommen;das eingezahlte beträgt durchschnittlich nicht 1 Mill. Pfd. Sterling. Ihre Kassen-haltung ist auch mäßig; sie verlassen sich auf die Bank von England . Ihr Haupt-passivgcschäft besteht in Wechseldiskontierung, Lombarddarlehen und Kontokorrentkrcditohne Deckung auf kürzeste Zeit; Spekulations. und Gründergcschäfte macheu sie nicht.Es handelt sich um solide, gleichmäßige, für die länger schon bestehenden Bankennicht sehr rentable Betriebe; ihre Thätigkeit ist noch dadurch erleichtert, daß sie ihreWechseldiskontierung zu einem großen Teil nicht selbst, sondern durch die Wechselmaklerbesorgen.

Diese Makler haben früher nur zwischen den Kreditsuchcnden und den Bankenvermittelt; sie sind dann mehr und mehr selbsthaftend in das Geschäft eingetreten, sinddamit selbst zu Bankiers geworden. Die größten haben sich zu Aktiengesellschaften aus-geweitet, werden jetzt als Diskonthäuser bezeichnet; es gab schon 1880 drei solcher inLondon neben etwa 30 Wechselmaklerfirmen. Sie können billiger als die Depositen-banken diskontieren, weil sie sich arbeitsteilig auf specielle Geschäftszweige beschränken,in ihnen eine viel größere Personen- und Sachkenntnis haben. Ihre eigenen Mittelund ihre eigenen Depositen sind nicht groß; sie arbeiten wesentlich mit Kapital, dasihnen die Depositenbanken für ganz kurze Zeit anvertrauen, das sie ihren Kundenetwas teurer geben als sie es erhalten; da ihre Konkurrenz untereinander sehr groß ist,so ist ihre Geschäftsführung meist zu gewagten Krediten genötigt; in der Zeit derKrisis, wenn die Depositenbanken ihren Kredit an sie einschränken, wird ihre Stellunggefährdet. Die großen Krisen in England begannen stets mit dem Fall von Diskont-häusern. Die größten kaufmännischen Bankerotte 1857, 1866 und 1890 betrafenDiskonthäuser. Sie haben vor allem auch dadurch gesündigt, daß sie ihre KundenWechsel auf sich ziehen ließen, sie acceptierten und so diesen möglich machten, dieAccepte bei großen Banken günstig zu diskontieren. Baring Brothers hatten vor ihremZusammenbruch 1890 auf nicht 4 Mill. Pfd. Sterling eigenes Kapital 1720 Mill.Pfd. Sterling Accepte ans sich laufen. Seither hat sich dieser Acceptkredit ziemlicheingeschränkt. Jaffv glaubt, daß die Wechselmakler und Diskonthäuser künftig durchdie Wucht der Konkurrenz zum Verschwinden gebracht werden, daß die Depositenbankendoch mit der Zeit sie aufsaugen, ihre Geschäfte in dem Maße an sich ziehen werden,wie sie sich ausdehnen, durch Filialen überall hin Verbindungen bekommen.

Ist der Vorzug dieses englischen Depositen- und Diskontbanksystems, daß es vonSpekulations-, Börsen-, Gründer-, Anlchengcschäften mit ihren Gefahren sich fern hält,daß es in engster Fühlung mit Warenhandel und Warenproduktion diese genau kennt,unterstützt und lenkt, daß es die ganze Bevölkerung zur Sparsamkeit erzieht, alleZahlungen sehr billig durch die Checks, das Umschreiben und die Clearinghäuser abmacht,so entbehrt es doch auch der Schattenseiten nicht: es wird über zu wenig eigenesKapital, zu großen Verlaß auf die Barreserve der Bank von England , über zu starkeAusdehnung des Lombardgeschäftes, bei dem auch unsichere Papiere genommen werden,über steigende Konkurrenz der Banken unter sich, abnehmende Rentabilität und unüber-sichtliche kümmerliche öffentliche Ausweise geklagt.

Die Voraussetzung der im ganzen soliden Depositenbanken war, daß für diegewagteren Kreditgeschäfte eigene Organe entstanden. Einmal die Kolonialakticnbanken,dann die sogenannten fremden Aktienbanken, endlich die ünaneial Lompaniss, Trusts u. s. w.Die sämtlichen Geschäfte dieser Art lagen früher in den Händen der ganz großen Privat-firmen, der Älki'Llmnts. Sie hatten das internationale und koloniale Edelmetall-,Wechsel-, Arbitragcgeschäft, wie Gründungen und Staatsanleihen in der Hand, hatten