Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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234 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. s^692

überall ihre Vertreter. Jetzt bestehen 30 Kolonialbanken, die arbeitsteilig die Geld-und Kreditgeschäfte mit den englischen Kolonien besorgen; fast ebenso vielefremde"Aktienbanken, welche die gleichen Geschäfte mit den anderen Staaten erledigen; unterihnen sind auch große nicht englische Geschäfte, wie die Deutsche Bank, der <ürsäitI^onnais, welche den englischen Banken ein gut Teil der Geld- und Kreditvermittelungnach ihren Heimatländern abgenommen haben.

Machen diese Banken schon große Anlehens- und Gründergeschäfte, so thun esnoch mehr die besonderen Finanz- und Trust-Aktiengesellschaften, die neben ihren AktienObligationen ausgeben; sie sind Nachbildungen des Pariser Lröäit mobilisr, machengroße Operationen wie die deutschen Effektenbanken, aber ohne ihr großes Kapital undohne das gewöhnliche Bankiergeschäft damit zu verbinden. Sie haben sich 18871895in den Ruf der Unsolidität gebracht; viele wollten dem Privatkapitalisten die Anlagein Aktien und Effekten abnehmen; manche haben es mit Geschick und Ehrlichkeit, mancheohne das gethan, waren wesentlich auf die Erzielung schwindelhafter Gewinne und hoherDirektorengehalte gerichtet. Viele sind damals gefallen.

Auf dem Kontinent, speciell in Deutschland , war die Entwickelung eine ganzandere. Neben die Notenbanken, welche man im ganzen bis 1850, ja bis 1870 alsdieBanken üherhaupt" ansah, mußten in dem Maße, wie ihnen gefährlichere Geschäfte,solche mit längerer Festlegung des Kapitals verboten wurden, andere Kreditanstaltentreten. Für die Gründung von Aktiengesellschaften, die Überführung von großen Privat-geschäften in Aktienform, die Finanzierung der Aktien, Obligationen, Staatsanlehenmußten sachkundige, arbeitsteilig hiefür geschulte große kapitalkräftige Organe entstehen.Überall wollten Regierungen und Geschäftswelt von der Monopolherrschaft der ganz großenüberreichen Privatfirmen, der Rothschilds , Sinas u. s. w. loskommen. Wie man inPreußen zu solchem Zweck im 18. Jahrhundert schon die staatliche Seehandlung gegründethatte, so schuf Napoleon III. und die alten Socialisten, die Gebrüder Pereire, dasRieseninstitut des Oöäit mobilier , das mit seinem großen Kapital, seiner genialen aberleichtsinnigen Geschäftsführung, seinem Gründungs- und Börsenschwindel das Vorbildfür viele andere Institute auch außerhalb Frankreichs wurde; einige Jahre zahlte esenorme Dividenden, endete dann aber mit großem Krach. Die österreichische Geld-und Geburtsaristokratie schuf 1855 in Wien die Kreditanstalt für Handel und Gewerbe;in Berlin entwickelte sich die Diskontogesellschaft zu ähnlicher Geschäftsführung, und nebenihr entstand die (Darmstädter) Bank für Handel und Industrie in Anlehnung an dasPariser Muster. Die deutschen Kleinstaaten und ihre Fürsten zeichneten sich auf diesemGebiete, wie auf dem der Notenbanken, durch eine nicht uninteressierte Freigiebigkeit derKonzessionen aus; in der Zeit 18691375 wurden die größten der anderen heute inDeutschland thätigen Effekten- und Speknlationsbanken gegründet; die Befreiung derAktiengesellschaften von der staatlichen Konzession förderte die Bewegung ebenso wie dergeschäftliche Aufschwung und das praktische Bedürfnis. Zahlreiche solcher Banken brachen18731879 wieder zusammen. Es werden in Deutschland 73 Banken überhaupt mit432 Mill. Mk. aufgezählt, die 18731878 liquidierten. Auch später brachte jeder Ge-schäftsaufschwung wieder unsolide und solide Neugründungen, große Kapitalvermehrung derbestehenden Banken. Eine der schlimmsten Gründungen war die ultramontane Pariser vniou Zönerale mit ihren in Österreich und sonst weitverbreiteten Tochtergesellschaften; ihrZusammenbruch 1882 bedeutete sür Frankreich eine Krisis. Hauptsächlich in den Aus-schwungsperioden 18791882, 1887-1890, 18951900 erfolgte die Ausdehnung derEffektenbanken in Deutschland und anderwärts, aber auch ihre im ganzen solidereGeschäftsführung setzte sich in diesen letzten zwanzig Jahren durch. Für die Jahre 1875und 1878 führt I. Basch 37 und 52 deutsche Banken, die nicht Noten- und nichtHypothekenbanken sind, an; von 1883 an haben wir die Statistik des deutschen Ökonomist,welche die Banken mit 1 Mill. Mk. Kapital und darüber umfaßt: es sind 188371 Kreditbanken, 1891 95, 1900 118, darunter 5 mit über 100 Mill. Mk. eigenemKapital (Deutsche , Dresdener Bank. Diskontogesellschaft, Schaffhausenscher Bankverein,Bank für Handel und Industrie), 4 von 5090 Mill., 10 von 3042 Mill. Mk.