244 Trittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^702
Hypothekenabteilung mit gesondertem Kapital und Pfandbriefausgabe gegeben, die bis>1365 auf 51 Mill. Gulden anwuchsen; sie diente fast nur dem großen Grundbesitz.Im Jahre 1864 folgte, dem Lreäit koneior nachgebildet, die K. K. priv. allg. österr.Bodenkreditanstalt in Aktienform; und daran schlössen sich zahlreiche ähnliche Gesell»schaften, hauptsächlich bis 1873. Man war zur Zeit des damaligen „wirtschaftlichenAufschwungs" mit Konzessionen und laxen Statuten sehr liberal; man gab 1868 denPfandbriefen Mündelsicherheit. Die meisten der Hypothekenbanken beteiligten sich amGründungsgeschäft, am Effektenhandel, an der großstädtischen Bauspekulation. Man.machte die Pfandbriefe durch Prämien und Lotterien schmackhaft. Eine erhebliche Zahldieser Banken fiel oder liquidierte 1373—1876. Die Sparkassen hatten sie schon weitüberholt; die nun ins Leben getretenen oben geschilderten öffentlichen Landesbankenerreichen sie bis 1895 schon beinahe im Geschäftsumfang. Die übrig gebliebenenAktienbanken machten aber glänzende Geschäfte, verteilten z. B. 1889 durchschnittlich19°/o Dividende, natürlich nicht durch ländliche Darlehen.
Nirgends als in Italien mit seinem halb wucherischen großen Privathypotheken-kredit war das Bedürfnis nach guten Hypothekenanstalten dringlicher. Regierung,Spekulation, Parlament und Presse debattierten und experimentierten seit 1866 unauf-hörlich. Es fehlte an Kapital und Erfahrung; einige große Sparkassen, Stiftungenund die großen Notenbanken suchten die Lücke auszufüllen; die letzteren gerieten aberdadurch, hauptsächlich 1385—1890, in eine so unsolide Bauspekulation, die Beleihungenwurden durch Übertazierungen so gesteigert, daß die Banken eigentlich bankerott waren.Von 1890 begann die Sanierungsarbeit: es wurde der besondere Lreüit toneisr inRom gegründet, den großen Banken das weitere Hypothekengeschäft verboten, ihre un-solide Pfandbrieflast von 1894 an liquidiert; die tief gesunkenen diskreditierten Psand-briefe erlangten nach und nach wieder das öffentliche Vertrauen. Aber im ganzen istdie Hülfe der großen Hypothekenanstalten für Italien auch heute noch ganz ungenügend.Die Privatdarleiher fordern auch gegenwärtig noch in einem großen Teil Italiens 8—10°/o. Der Or6äit> t'cmeier kommt, obwohl er mit Amortisation nur 4,64°/»jährliche Zinsen fordert, nicht schnell voran. Der Bodenkredit Italiens , sagte noch vorkurzer Zeit ein italienischer Gelehrter, ist ein Kadaver.
Deutschland hat neben seinen bereits geschilderten Bodenkreditinstituten haupt-sächlich 1862—1872 und dann nochmals 1893—1897 eine größere Zahl Hypotheken-aktienbanken bekommen. Man zählte 1870 13, 1875 26, 1890 31, 1900 40 Hypo-thekenbanken mit 136, 951, 3081 und 6513 Mill. Mk. Pfandbriefen und Kommunal-obligationen. Sie waren teilweise für den ländlichen Kredit nötig und segensreich,wo es, wie z. B. in Bayern und Baden, an anderen großen Anstalten fehlte. Teil-weise hoffte man von ihrer energischeren, kaufmännischen Thätigkeit eine belebende Kon-kurrenz für die alten öffentlichen Institute, eine Kapitalzufuhr in die kapitalarmenProvinzen; so vor allem in Preußen . Hauptsächlich in der liberalen Ära und derZeit ländlicher Kreditnot 1864—1870 waren die Aktiengesellschaften das Schoßkind derRegierungen und der öffentlichen Meinung. Und daß ihre Konkurrenz in vieler Be-ziehung Leben und Fortschritt brachte, wird sich auch nicht leugnen lassen. Daswichtigste praktische Bedürfnis aber, das sie befriedigten, war der städtische Hhpotheken-kredit; ihm wandten sich die meisten Banken ausschließlich oder ganz überwiegendzu; sie haben meist gar keine Organe für das ländliche Geschäft. Es läßt sich nunaber nicht leugnen, daß neben diesen legitimen Ursachen auch in Deutschland die un-ehrliche Spekulation und das leichtsinnige Gründungsfieber eine Anzahl von Hypotheken-banken ins Leben rief, daß neben vielen sehr soliden und anständigen Instituten auchin Deutschland mancherlei Wucherpflanzen aus diesem Gebiete vorhanden waren undsind, vielleicht mehr als je aus den« Gebiete des übrigen Bankwesens. Das in denStädten mit der Bauspekulation verbundene Geschäft ist ebenso gefährlich wie unterUmständen mit Ricseugewinnen verbunden; es erlaubt so viele Täuschung und Unehrlich-keit; man findet dazu in den heutigen Großstädten nicht schwer unehrliche oder bezahl-bare Taxatoren, geriebene Bodenspekulanten, skrupellose Commis, Prokuristen, Bank-