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Persönliche Freiheit und Arbeitsdisciplin. Die Elemente des Arbeiterstandcs.
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zurückgingen oder ganz verkümmerten, weil sie unfähig waren, sich der neuen höherenLebensform anzupassen, die technisch-wirtschaftlichen und die moralischen Fortschritte zumachen, ohne welche die Institution der freien Arbeit nicht günstig wirken kann.
204. Die verschiedenen Elemente des heutigen Arb eitcr st and e s.Wir werden im solgenden Paragraphen näher auf die Principien des Arbeitsvertrageszu sprechen kommen. Hier werfen wir im Anschluß an die vorstehende historische Be-trachtung einen Blick auf die große Verschiedenheit der Personen, welche heute alsLohnarbeiter bezeichnet werden, Arbeitsverträge abschließen. Alle Beurteilung der ausden Arbeiterstand bezüglichen Fragen wird eine anschauliche und klare nur, wenn mandiesen Stand in seine Elemente auslöst; sie bleibt eine doktrinär schiefe, wenn man dieArbeiter als eine unterschiedslose Masse betrachtet, die, des Kapitals und der Arbeits-mittel beraubt, der Knechtschaft des Kapitals unterworfen sei, nur von dieser erlöstWerden müsse, um zu wirklich sreien, glücklichen, wirtschaftlich vollendet wirkendenMenschen zu werden.
1. Fragen wir zunächst nach der oberen Grenze der Lohnarbeiter, so reichen sie mitder öffentlichen und privaten Beamtenschaft, den angestellten Technikern, Commis, Werk-meistern überall in die höheren Schichten der Gesellschaft, mit den Hunderttausenden vonKlein- und Parzellenbauern, kleinen Handwerkern in Stadt und Land, den Heimarbeiternüberall in den Mittelstand hinein. Aber diese beiden Gruppen sind doch nach Besitz,Einkommen, socialer und Rechtsstellung und Art des Erwerbs von den LohnarbeiternWesentlich verschieden. Der Beamte hat sestes Jahresgehalt, gesicherte Lebensstellung,Pension, hängt nicht vom Markt und täglicher Kündigung ab. Ein großer Teil derollein arbeitenden Handwerker, Kleinbauern u. s. w. geht freilich nebenher auf Lohnarbeitoder nimmt, wie die besseren Heimarbeiter, noch eine Mittelstellung zwischen Klein-unternehmer und Lohnarbeiter ein. Die Grenze wird hier stets fließend bleiben. Aberj>er Unterschied dieser Elemente von den Lohnarbeitern bleibt doch ein fundamentaler.Wenn auch ein sehr großer, vielleicht der größere Teil der kleinen Landwirte, Gewerbe-treibenden und Händler mehr von ihrer Arbeit als ihrer Kapitalrente oder dem Unter-nehmergewinn leben, so sind sie doch zu den Lohnarbeitern in ihrer Mehrzahl nicht zu-rechnen, sondern höchstens zu den handarbeitenden Klassen; sie leben nicht vom Lohn,sondern von dem Einzelverkaus ihrer Leistungen und Waren.
Auch unter den Lohnarbeitern selbst haben viele einen kleinen Besitz, ein Häuschen,einen Garten, eine kleine Eigenwirtschaft, welche ihnen Gemüse, Kartoffeln undÄhnliches liefert; viele haben auch irgend eine kleine Vermögensrente, in den höherenArbeiter-, in den Beamtenschichten sogar eine erhebliche. Viele Tausende von jugend-lichen Arbeitern, die den mittleren Gesellschaftsklassen angehören, erhalten von HauseUnterstützungen und Hülse verschiedener Art. Wir sahen oben (I, § 117, S. 345),daß fast zwei Drittel der statistisch gezählten deutschen Arbeiter unter 30 Jahre altsind, daß Viele von ihnen später in andere höhere Stellungen übergehen. Von denlohnarbeitenden und Gcsindedienst verrichtenden Frauen heiratet der größere Teilund geht dann nur noch in geringerer Zahl auf Lohnarbeit. Wir haben nach-gewiesen, daß unter den 12—13 Millionen deutscher Arbeiter, welche 1895 in Land-wirtschaft, Gewerbe und Handel gezählt wurden, nur etwas über 4 Millionen Arbeiter-familien sind, daß man nur 3,7 Millionen verheiratete Männer unter diesen ArbeiternZählte.
Daraus folgt eine Reihe der wichtigsten Schlüsse. Für alle jüngeren Arbeiter von14—25 Jahren ist oder sollte der Arbeitsvertrag zugleich ein Erziehungsverhältnissein; zumal für alle weiblichen unverheirateten Arbeiter in diesem Alter sind Schutz-maßrcgeln für Sittlichkeit und Gesundheit, für familienartige Unterkunft und Pflegenötig, wenn nicht die schlimmsten Folgen eintreten sollen. Für alle die Arbeiter, dieaus irgend einer Eigenwirtschaft, einem Vermögen, einer Familienbeihülfe Einnahmenbeziehen, ist der Lohn nicht die einzige Einnahme. Solche Bezüge sind einerseits sehrerwünscht; eine kleine Eigenwirtschaft beschäftigt Frau und Kinder, hebt Fleiß undSparsamkeit, verbilligt die Existenz; ein eigener Besitz in Sparkasse oder sonstiger