Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Akkordlohn, Prämien, Gewinnbeteiligung.

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k) Prämien und Gratifikationen, Gewinnbeteiligung. Die ebenbesprochenen Einrichtungen führen hinüber zu den Gratifikationen und Prämien, durchwelche hauptfächlich feste Zeitlöhne, aber teilweife auch Akkordlöhne ergänzt werden.Gratifikationen als freiwillige Weihnachts- oder Neujahrsgeschenke sind in Handels-geschästen sehr alt; sie sind ost von herkömmlichem Betrag, werden aber in gutenGeschäftsjahren erhöht; ihre vertragsmäßige Festsetzung ist im Fortschreiten begriffen.Die Prämien werden als Zulagen sür einzelne Leistungen besonders da verabredet, woAkkordlohn nicht möglich, aber eine besondere Aneiferung erwünscht ist. Der Brenn-meister in der Thonwarenfabrik erhält für jeden guten Brand eines Ofens eine Prämie,der Dampfmaschinenheizer für jeden Centner ersparter Kohlen- Doch werden auchsonst in der verschiedensten Art Prämien bezahlt: da sür die Leute, die so und soviele Jahre im Geschäft sind, dort für die, welche nie zu spät kommen; da für die,welche Einlagen in die Sparkasse machen, dort für die fleißigsten Kinder der Arbeiter.Eine besonders in Amerika häufige Form ist, daß nach genauer Prüfung der tech-nischen Operationen die Zeit festgesetzt wird, in welcher eine Leistung durchschnittlichgemacht werden kann, z. B. fünf Stunden; wird der Arbeiter in Vieren fertig, foerhält er eine entsprechende Prämie; oder es werden vorher die wahrscheinlichen Zeit-löhne berechnet, tritt dann dagegen eine Ersparnis ein, so erhalten die Arbeiter dieHülste davon oder auch das Ganze (Za-in slini-inA im Gegensatz zum xiotit slün-inA).Die Gewinnbeteiligung giebt einen Zuschuß nach dem Reinertrag des Geschäftes, diePrämie einen solchen nach der Arbeitsmehrlcistung. Gratifikationen und Prämienmüssen immer mindestens 52v°/o der sonst gezahlten Löhne ausmachen, um eineWirkung auszuüben.

Den Prämien nahe verwandt sind die Tantiemen oder prozentualen Anteile amGeschästsgewinn, welche seit alter Zeit in kaufmännischen Geschäften für die höherenGehülfen üblich sind. Neuerdings hat man auch versucht, das System der Gewinn-beteiligung für alle oder wenigstens die besseren älteren Arbeiter durchzuführen. Eswird teils der Gewinn des ganzen Geschäftes, teils der des speciellen Geschäftszweigeszu Grunde gelegt, und den Beteiligten nun am Schlüsse des Jahres ein bestimmterAnteil des Gewinnüberschusses zugebilligt, der also in ungünstigen Jahren wegsällt,in günstigen 530 °/v des Lohnes ausmacht. Es bestehen jetzt einige hundert meistgrößere Betriebe dieser Art in verschiedenen Ländern, hauptsächlich in Frankreich, Eng-land und den Vereinigten Staaten . Am besten ist die Einrichtung gelungen, woUnternehmer und Arbeiter an sich auf gutem Fuße standen; sie hat die Leute zugrößerem Fleiß, zu äußerster Sparsamkeit in Bezug auf das Material, zu guter Be-handlung der Maschinen, zu lebendigem Eigeninteresse am Geschäft erzogen, denStellenwechsel vermindert. In manchen Betrieben ist mit zunehmender Leistung derArbeiter der Gesamtgewinn erheblich mehr gestiegen als der den Arbeitern bewilligteAnteil. Dieser Erfolg hängt aber natürlich davon ab, daß die Arbeiter durch dieGewinnbeteiligung wesentlich andere werden, und daß das Geschästsresultat hauptsächlichdurch die Eigenschaften der Arbeiter bedingt ist. Die Gewerbe, in denen man Kunst-produkte, Specialitäten, feine Maschinen und Ähnliches sertigt, werden also besondersfür das System sich eignen. Unter den Arbeitern, besonders unter den radikalen,den socialistischen und organisierten hat die Einrichtung viele Gegner gefunden, schonweil es den Interessengegensatz beseitigt oder mildert, auf dessen Steigerung sie zunächstbedacht sind; es wird auch betont, daß sie die Teilnehmenden zur Überarbeit veranlasse,so die Nachfrage nach Arbeit einschränke. Am ungünstigsten hat es gewirkt, daß einzelneUnternehmer törichter Weise sie benutzten, um ihre Leute von den Gewerkvereinen ab-zuhalten oder um eine allgemeine Lohnerhöhung zu hindern. Von manchen Theoretikernwird betont, daß es keinen Sinn habe, in Zeiten günstiger Lohnkonjunktur eine Er-höhung der Arbeitereinnahme davon abhängig zu machen, ob der Dirigent seiner Aus-gabe gewachsen sei; sei er unfähig, fo erhielten die Arbeiter keine erhöhte Einnahme,obwohl sie sich sehr angestrengt. Dieser Einwurs erscheint besonders sür die Industrienberechtigt, die Massenartikel verfertigen, in denen Gewinn und Verlust nicht sowohl

Schmoller, Grundriß der BolkswirtschaMchr-, II. I,-k. Aufl. 19